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21. Juni 2013

Giovanni Simone Mayr, ein deutscher Komponist in Italien - Zur 250. Wiederkehr des Geburtstags des "Vaters der italienischen Oper"

Nachtrag (28. August 2016):
"Arme Medea, armer Mayr" (Opera Lounge) mit vielen Details zu Leben und Werk Mayrs und einer umfassenden aktuellen Diskographie


Johann Simon Mayr wurde am 14. Juni 1763 in Mendorf bei Altmannstein, Landkreis Eichstätt, geboren. Ab 1777 studierte er in Ingolstadt Theologie, Philosophie, Medizin, Jura und Kanonisches Recht und war daneben auch als Organist tätig. 1789 ging er nach Italien. Am 2. Dezember 1845 starb er in Bergamo; in der dortigen Basilika Santa Maria Maggiore fand er - ebenso wie Donizetti - seine letzte Ruhestätte. Bis vor Kurzem fand Mayr fast nur als Donizettis Lehrer Erwähnung, dabei war er zu Lebzeiten ein gefeierter Komponist, der als Giovanni Simone Mayr rund sechzig Opern komponierte (Werkverzeichnis bei Wikipedia) und als "Vater der italienischen Oper" gilt.

Mit "Ginevra di Scozia" wurde 1801 das Teatro Nuovo in Triest eingeweiht, zur Feier des 200-jährigen Jubiläums gab es 2001 eine Wiederaufführung dieses dramma serio eroico, einer Belcanto-Oper, die an die Sänger teils höchste Anforderungen stellt. So liegt die Titelpartie extrem hoch, beim Anhören des CD-Mitschnitts (Opera Rara) kann man nur staunen, wie Elizabeth Vidal dies bewältigt! Nach ihrer Uraufführung stand "Ginevra di Scozia" dreißig Jahre lang in den verschiedensten Versionen und mit einer meist transponierten Titelpartie auf dem Spielplan, um dann - wie die übrigen Werke Mayrs und auch die vieler seiner Zeitgenossen - in Vergessenheit zu geraten.

Bis zur Jahrtausendwende hatte es kaum Aufnahmen von Werken von Mayr gegeben, von "Medea in Corinto" allerdings immerhin drei Gesamtaufnahmen: beim Label Vanguard eine Aufnahme von 1970 mit Marisa Galvany in der Titelpartie, bei Myto einen Livemitschnitt aus Neapel mit Leyla Gencer und William Johns und 1990 die Aufnahme bei Opera Rara mit Jane Eaglen und Bruce Ford. Ferner gibt es einen Mitschnitt der Oper "La rosa bianca e la rosa rossa" aus Bergamo 1990. Aber in letzter Zeit werden einige seiner Opern und auch geistliche Werke wieder aufgeführt und teils auch als Mitschnitte veröffentlicht. So hat das Festival “Rossini in Wildbad” bereits mehrere Opern von Mayr aufgeführt: 2001 “Verter” (das Werk wird Mayr zugeschrieben, stammt aber möglicherweise von Pucitta; auf CD erschienen bei Bongiovanni), 2003 “L’accademia di musica” und – für mich eine großartige Entdeckung - 2004 “L’amor coniugale”; diese 1805 entstandene „Befreiungs“-Oper basiert auf der gleichen Vorlage wie Beethovens Leonore/Fidelio (auf CD erschienen bei Naxos). "Fedra" gab es in Braunschweig, "Medea in Corinto" in München und St. Gallen, "Demetrio, re di Siria" in Posen, um einige weitere der auf CD verfügbaren Produktionen zu nennen. Die 1995 in Ingolstadt gegründete Internationale Simon-Mayr-Gesellschaft e.V. hat viel zur Wiederentdeckung dieses zu Unrecht vergessenen Komponisten beigetragen.

Jetzt zur 250. Wiederkehr des Geburtstags von Mayr gab es Aufführungen von "Ginevra di Scozia" in Ingolstadt am 14. Juni und in Bergamo am 16. Juni 2013. BR-Klassik sendet am 23. Juni den Mitschnitt aus Ingolstadt.

Mehr über Mayrs Bedeutung für die italienische Oper in dem Beitrag von Werner Häußner "Ein Europäer aus der bayerischen Provinz: Johann Simon Mayr zum 250. Geburtstag" und in der ausführlichen Rezension der Aufführung von "Ginevra di Scozia" in Ingolstadt im Neuen Merker.
In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts zog es weitere deutsche Komponisten nach Italien:

Giacomo Meyerbeer, der nach Anfängen in Berlin sieben Opern für italienische Bühnen komponierte (s. den Beitrag hier im Blog), bevor er nach Paris ging und dort - beginnend mit "Robert le Diable"(1831) - die Grand Opéra, die als Gattung ihre Anfänge hatte in Rossinis "Moise et Pharaon" (1827), Aubers "La Muette de Portici" (1828) und Rossinis "Guillaume Tell" (1829), zur vollen Blüte führte; Peter von Winter, der für Wien "Das Labyrinth" als Fortsetzung von Mozarts "Zauberflöte" in einem dem Schikaneder-Theater angemessenen Stil komponierte, aber für Bühnen in ganz Europa Opern schrieb (Werkverzeichnis bei Wikipedia), darunter 1817 für die Mailänder Scala "Maometto il fanatismo" (Wiederaufführung 2002 beim Festival "Rossini in Wildbad", Mitschnitt auf CD bei Naxos); hingewiesen sei auch auf die vier italienischen Opern von Otto Nicolai, darunter "Il templario" (Turin 1840, Wiederaufführung 2008 in Chemnitz, Mitschnitt auf CD bei cpo).






Italian Opera - Project Mayr: 











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Ergänzung (7.10.2013):

7. Mai 2012

"Rossini in Wildbad" - Diskografie


Festival „Rossini in Wildbad"
Live auf CD / DVD

Ergänzt am 8. Oktober 2017

Das 1989 gegründete Festival "Rossini in Wildbad" ist im Laufe der Jahre wahrlich zum "Pesaro des Nordens" geworden. Aber nicht nur viele weitgehend unbekannte Werke Rossinis - darunter drei in Editionen der Deutschen Rossini Gesellschaft - wurden seitdem in Bad Wildbad aufgeführt, sondern auch Werke anderer, zu Unrecht vergessener Komponisten:  Giovanni Simone Mayr, Giacomo Meyerbeer, Peter von Winter u.a.. Viele dieser Ausgrabungen und Entdeckungen sind auf CD, einige auch auf DVD festgehalten. Dem Label Naxos und dem SWR ist es auch zu verdanken, dass der große Rossini-Kenner Alberto Zedda, künstlerischer Leiter des Rossini Opera Festivals in Pesaro und Ehrenpräsident der Deutschen Rossini Gesellschaft, endlich auch als Dirigent „seiner“ Opern angemessen dokumentiert ist. Geht man die Besetzungslisten durch, entdeckt man Aufnahmen aus der Anfangszeit der Karrieren von inzwischen im Belcantofach international gefragten Sängerinnen, Sängern und Dirigenten: Alessandro De Marchi, Pavol Breslik, Olga Peretyatko, Luca Salsi, Jessica Pratt, Michael Spyres u. a.. Aber auch bereits arrivierte Künstler - unter den Dirigenten auch Richard Bonynge und Gabriele Bellini - ließen und lassen sich für Aufführungen in Bad Wildbad begeistern, insbesondere wenn Alberto Zedda dirigiert: z. B. Joyce DiDonato, Lawrence Brownlee, Sonia Ganassi, Marianna Pizzolato, Lorenzo Regazzo, Bruno de Simone. Ich hoffe, diese Diskografie noch um viele Veröffentlichungen erweitern zu können! Die YouTube-Videos sind Mitschnitte aus Bad Wildbad.

Antonino Fogliani: Zehn Jahre Rossini-Dirigent in Bad Wildbad

Die bisher erschienenen Aufnahmen (CDs, soweit nicht anders angegeben), 
geordnet nach dem jeweiligen Aufführungsjahr:


neu!!! 2016 - Gioachino Rossini, Sigismondo - Antonino Fogliani; Margarita Gritskova,Marcell Bakonyi, Maria Aleida, Kenneth Tarver, Paula Sánchez-Valverde, Sésar Arrieta; Camerata Bach Chor Poznan; Virtuosi Brunenses (Naxos)

neu!!! 2016 - Vincenzo Bellini, Bianca e Gernando - Antonino Fogliani; Silvia Dalla Benetta, Maxim Mironow, Luca Dall'Amico, Vittorio Prato, Zong Shi, Marina Viotti, Georghe Vlad, Mar Campo; Camerata Bach Chor Poznan; Virtuosi Brunenses (Naxos)

neu!!! 2016 - Gioachino Rossini, Sigismondo - Antonino Fogliani; Margarita Gritskova, Marcell Bakonyi, Maria Aleida, Kenneth Tarver, Paula Sánchez-Valverde, César Arrieta; Camerata Bach Chor Poznan; Virtuosi Brunenses (Naxos)

neu!!! 2015 - Gioachino Rossini, Bianca e Falliero - Antonino Fogliani; Laurent Kubla, Kenneth Tarver, Baurzhan Anderzhanov, Victoria Yarovaya, Cinzia Forte, Marina Viotti, Artavazd Sargsyan; Camerata Bach Chor Posen; Virtuosi Brunenes (Naxos)

2015 - DVD Gioachino Rossini, L'inganno felice - Antonino Fogliani; Artavazd Sargsyan, Silvia Dalla Benetta, Baurzhan Anderzhanov, Tiziano Bracci, Lorenzo Regazzo; Virtuosi Brunenses (Dynamic)

neu!!! 2014 - Gioachino Rossini, Adelaide di Borgogna - Luciano Acocella; Margarita Gritskova, Ekaterina Sadovnikova, Baurzhan Anderzhanov, Gheorghe Vlad, Miriam Zubieta, Yasushi Watanabe, Cornelius Lewenberg; Camerata Bach Chor Posen; Virtuosi Brunenses (Naxos)

2014 - Gioachino Rossini, Il viaggio a Reims - Antonino Fogliani; Laura Giordano, Marianna Pizzolato, Sofia Mchedlishvili, Alessandra Marianelli, Bogdan Mihai, Maxim Mironov, Mirco Palazzi, Bruno de Simone, Bruno Praticò, Gezim Myshketa, Baurzhan Anderzhanov, Carlos Cardoso, Guiomar Cantò, Olesya Berman Chuprinova, Annalisa D'Agosto, Artavazd Sargsyan, Lucas Somoza Osterc, Yasushi Watanabe; Camerata Bach Chor Posen; Virtuosi Brunenses (Naxos)

2013 - DVD Gioachino Rossini, Guillaume Tell (Bongiovanni)
2013 - CDs  Gioachino Rossini, Guillaume Tell (Naxos) - Antonino Fogliani; Andrew Foster-Williams, Michael Spyres, Nahuel Di Piero, Judith Howarth, Tara Stafford, Raffaele Facciolà, Giulio Pelligra, Artavazd Sargsyan, Marco Filippo Romano, Alessandra Volpe; Camerata Bach Chor Posen, Virtuosi Brunensis - (Spieldauer 4:12:21 - Der komplette Tell!) 

2012 - Saverio Mercadante, I briganti - Antonino Fogliani; Bruno Praticò, Maxim Mironov, Vittorio Prato, Petya Ivanova, Rosa Fiocco, Atanas Mladenov, Jesùs Ayllón; Camerata Bach Chor Posen; Virtuosi Brunenses (Naxos)

2012 - Gioachino Rossini, Semiramide - Antonino Fogliani; Alex Penda, Marianna Pizzolato, Lorenzo Regazzo, John Osborn, Andrea Mastroni, Marija Jokovic, Vassilis Kavayas, Raffaele Facciolà; Camerata Bach Chor Posen; Virtuosi Brunenses (Naxos)

2011 - Gioachino Rossini, Stabat mater / Kantate "Giovanna d'Arco"Antonino Fogliani; Majella Cullagh, Marianna Pizzolato, Jose Luis Sola, Mirco Palazzi, Camerata Bach Choir Poznan, Württembergische Philharmonie Reutlingen (Naxos)

2011 - Stefano Pavesi, Ser Marcantonio - Massimo Spadano; Marco Filippo Romano, Loriana Castellano, Matteo D'Apolito, Timur Bekbosunov, Silvia Beltrami, Svetlana Smolentseva, Massimiliano Silvestri; Camerata Bach Chor Posen, Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim (Naxos)



2010 - Gioachino Rossini, Le Siège de Corinthe - Jean-Luc Tingaud; Lorenzo Regazzo, Majella Cullagh, Michael Spyres, Marc Sala, Matthieu Lécroart, Gustavo Quaresma Ramos, Marco Filippo Romano, Silvia Beltrami; Camerata Bach Chor Posen; Virtuosi Brunenses (Naxos)

2010 - Pietro Generali, Adelina - Giovanni Battista Rigon; Dusica Bijelic, Gabriele Nani, Elier Muñoz, Silvia Beltrami, Gustavo Quaresma Ramos, Ugo Rabec, Patrick Schneider; Virtuosi Brunensis (Naxos) 

2009 - Gioachino Rossini, La gazza ladra - Alberto Zedda; Giulio Mastrototaro, Luisa Islam-Ali-Zade, Kenneth Tarver, Maria José Moreno, Bruno Praticò, Lorenzo Regazzo, Mariana Rewerski, Stefan Cifolelli, Pablo Cameselle, Maurizio Lo Piccolo, Damian Whiteley; Classica Chamber Chor; Virtuosi Brunensis (Naxos)

2009 - Nicola Vaccaj, La sposa di Messina - Antonino Fogliani; Jessica Pratt, Filippo Adami, Armando Ariostini, Wakako Ono, Maurizio Lo Piccolo; Classica Kammerchor Brno; Virtuosi Brunenses - Nach "Die Braut von Messina" von Friedrich Schiller (Naxos)



2008 - Gioachino Rossini, Otello - Antonino Fogliani; Michael Spyres, Jessica Pratt, Ugo Guagliardo, Filippo Adami, Giorgio Trucco, Geraldine Chauvet, Sean Spyres, Hugo Colin, Leonardo Cortellazzi; Philharmonischer Chor Transilvania Cluj; Virtuosi Brunenses (Naxos)



2008 - Giovanni Pacini, Il convitato di pietra - Daniele Ferrari; Leonardo Cortellazzi, Geraldine Chauvet, Zinovia-Maria Zafeiriadou, Ugo Guagliardo, Giorgio Trucco, Giulio Mastrototaro, Kornelia Gocalek, Patrick Wurzel; Philharmonischer Chor Transilvania Cluj; Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim (Naxos) - "Der steinerne Gast" hat in etwa die gleiche Handlung wie Mozarts "Don Giovanni". Die Oper mit durchaus anspruchsvollen Partien - die Partie des Don Giovanni erfordert z. B. einen sehr hohen Tenor à la Rossini, die umfangreiche Rolle der Zerlina einen großen Stimmumfang und ausgezeichnete Koloraturtechnik - wurde vom Komponisten für seine Familienmitglieder geschrieben und war für private Aufführungszwecke gedacht.


2008 - Gioachino Rossini, L’italiana in Algeri - Alberto Zedda; Marianna Pizzolato, Lawrence Brownlee, Lorenzo Regazzo, Bruno De Simone, Giulio Mastrototaro, Ruth Gonzales, Elsa Giannoulidou; Philharmonischer Chor Transilvania Cluj; Virtuosi Brunenses (Naxos)



2007 - Saverio Mercadante, Don Chisciotte alle nozze di Gamaccio - Antonino Fogliani; Ugo Guagliardo, Domenico Colaianni, Laura Catrani, Ricardo Mirabelli, Hans Ever, Giulio Mastrototaro, Marisa Bove, Filippo Polinelli; Chor des Conservatorio San Pietro e Majella, Neapel; Tschechische Kammersolisten Brno (Naxos).

2007 - Gioachino Rossini, La gazzetta - Christopher Franklin; Marco Cristarella Orestano, Michael Spyres, Judith Gauthier, Giulio Mastrototaro, Vincenzo Bruzzaniti, Rossella Bevaqua, Maria Soulis, Filippo Polinelli, Emanuele Capissi; Chor des Conservatorio San Pietro e Majella, Neapel; Tschechische Kammersolisten Brno (Naxos) - In dieser Oper geht es um Irrungen und Wirrungen infolge einer heimlich vom Vater aufgegebenen Heiratsannonce.



2006 - DVD Michele Carafa, I due Figaro - Brad Cohen; Carmine Monaco, Simon Bailey, Eunshil Kim, Giorgio Trucco, Cinzia Rizzone, Rosella Bevaqua, Vittorio Prato, Giuseppe Fedeli, Alessio D'Aniello; Chor des Conservatorio San Pietro e Majella, Neapel; Württembergische Philharmonie Reutlingen (Bongiovanni) - s. auch den Beitrag hier im Blog

2006 - Gioachino Rossini, La cambiale di matrimonio - CD und DVD - Christopher Franklin; Vito Priante, Julija Samsonova, Daniele Zanfardino, Giulio Mastrototaro, Francesca Russo Ermolli, Tomasz Wija; Württembergische Philharmonie Reutlingen (CD: Naxos / DVD: Bongiovanni)

2006 - Gioachino Rossini, La donna del lago – Alberto Zedda; Sonia Ganassi, Marianna Pizzolato, Maxim Mironov, Ferdinand von Bothmer, Wojtek Gierlach, Olga Peretyatko, Stefan Cifolelli; Prager Kammerchor; Banda festiva Tübingen; SWR Rundfunkorchester Kaiserslautern (konzertante Aufführung für die CD-Produktion im November 2006) (Naxos)

2006 - Gioachino Rossini, Mosè in Egitto – Antonino Fogliani; Lorenzo Regazzo, Akie Amou, Wojtek Gierlach, Filippo Adami, Rossella Bevaqua, Giorgio Trucco, Karen Bandelow, Giuseppe Fedeli; Chor des Conservatorio San Pietro e Majella, Neapel; Württembergische Philharmonie Reutlingen  (Naxos)

2005 - Giacomo Meyerbeer, Semiramide – Richard Bonynge; Deborah Riedel, Filippo Adami, Fiona Jones, Wojtek Gierlach, Olga Peretyatko, Leonardo Silva; Rossini-Chor Altensteig; Württembergische Philharmonie Reutlingen (Naxos) – Diese Oper aus Meyerbeers italienischer Zeit hat eine andere Episode aus dem Leben der Königin Semiramis zum Gegenstand als Rossinis gleichnamige Oper.

2005 - Gioachino Rossini, L'occasione fa il ladro - Antonino Fogliani; Elizaveta Martirosyan, Fanie Antonelou, Jessica Lorenz-Held, Mauro Utzeri, Gardar Thór Cortes, Gianpiero Ruggeri, Hartmut Held, Joan Ribalta; Württembergische Philharmonie Reutlingen (Naxos)



2005 - Gioachino Rossini, L'inganno felice - Alberto Zedda; Kenneth Tarver, Corinna Mologni, Simon Bailey, Marco Vinco, Lorenzo Regazzo; Tschechische Kammersolisten Brno (Wiedereröffnung des Kurtheaters am 1. Juli 2005) (Naxos)

2004 - Johann Simon (Giovanni Simone) Mayr, L’amor coniugale – Christopher Franklin; Cinzia Rizzone, Francescantonio Bille, Tatjana Charalgina, Dariusz Machej, Giovanni Bellavia, Bradley Trammell;Württembergische Philharmonie Reutlingen (Naxos) – Diese 1805 entstandene „Befreiungs“-Oper basiert auf der gleichen Vorlage wie Beethovens Leonore/Fidelio.

2004 - Gioachino Rossini, La Cenerentola – Alberto Zedda; Joyce DiDonato, José Manuel Zapata, Bruno Praticò, Paolo Bordogna, Luca Pisaroni, Patricia Cigna, Martina Borst; Prager Kammerchor; SWR Rundfunkorchester Kaiserslautern  (konzertante Aufführung für die CD-Produktion im November 2004) (Naxos)

2004 - Gioachino Rossini, Ciro in Babilonia – Antonino Fogliani; Riccardo Botta, Anna Rita Gemmabella, Luisa Islam-Ali-Zade, Maria Soulis, Wojciech Gierlach, Giorgio Trucco, Giovanni Bellavia; Kammerchor Ars Brunensis; Württembergische Philharmonie Reutlingen (Naxos) - Es geht hier (wie bei Händels Belsazar) um die biblischen Gestalten Belsazar (Baldassare) und den Perserkönig Cyrus (Ciro), - aber eher nur als Hintergrund für eine Geschichte um eine treue und standhafte Ehefrau.

2003 - Gioachino Rossini, Torvaldo e Dorliska – Alessandro De Marchi; Huw Rhys-Evans, Paola Cigna, Mauro Utzeri, Michele Bianchini, Anna Rita Gemmabella, Giovanni Bellavia; Kammerchor Ars Brunensis; Tschechische Kammersolisten Brno (Naxos)



2003 - Luigi Mosca, L’italiana in Algeri – Brad Cohen; Wojciech Gierlach, Agata Bienkowska, Donat Havar, Christian Senn Vasquez, Asa Fanney Gestsdottir, Florian Mock, Anna Markovska; Kammerchor Ars Brunensis; Tschechische Kammersolisten Brno (Bongiovanni) – Moscas „L’italiana in Algeri“ (1808) und die von Rossini (1813) haben eines gemeinsam: das Libretto von Angelo Anelli.

2002 - Peter von Winter, Maometto - il fanatismo – Gabriele Bellini; Sebastian Na, Maria Luigia Borsi, Antonio de Gobbi, Luca Salsi, Cesare Ruta, Gloria Montanari; Tschechischer Philharmonischer Chor Brno; Tschechische Kammersolisten Brno (Marco Polo) – Diese 1817 an der Scala di Milano uraufgeführte Oper basiert auf Voltaires Tragödie von 1736 („Mahomet ou Le Fanatisme“) und handelt von der Belagerung Mekkas durch den Propheten Mohammed, während Rossinis „Maometto Secondo“ ein türkischer Sultan im Kampf der Ottomanen gegen die Venezianer einige Jahrhunderte später ist.

2002 - Gioachino Rossini, Maometto Secondo – Brad Cohen; Denis Sedov, Anna Rita Gemmabella, Luisa Islam-Ali-Zade, Massimiliano Barbolini, Antonio de Gobbi, Cesare Ruta; Tschechischer Philharmonischer Chor Brno; Tschechische Kammersolisten Brno (Naxos) – Version für Venedig 1822: Nicht die Türken siegen wie in der Fassung der Uraufführung, sondern – natürlich – die Venezianer, und es gibt ein Happy-End mit dem Finalrondo aus „La donna del lago“.

2002 - Gioachino Rossini, Le Comte Ory – Brad Cohen; Huw Rhys-Evans, Luca Salsi, Wojtek Gierlach, Linda Gerrard, Gloria Montanari, Luisa Islam-Ali-Zade, Sofia Soloviy; Tschechischer Philharmonischer Chor Brno; Tschechische Kammersolisten Brno (Naxos)










2001 - Gioachino Rossini, La pietra del paragone – Alessandro De Marchi; Agata Bienkowska, Anna Rita Gemmabella, Anke Herrmann, Raffaele Costantini, Alessandro Codeluppi, Dariusz Machej, Gioacchino Zarrelli; Tschechischer Kammerchor; Tschechische Kammersolisten (Naxos)

2001 - Johann Simon (Giovanni Simone) Mayr (attrib.), Verter – Paul Terracini; Anna Rita Gemmabella, Anke Herrmann, Davide Cicchetti, Pavol Brslik (= Pavol Breslik), Luca Salsi, Gioacchino Zarrelli; Tschechische Kammersolisten (Bongiovanni) – Eine sehr freie Bearbeitung des  Werther-Stoffes. Hier streiten sich die Musikwissenschaftler noch, ob diese Oper nicht vielleicht doch von Vincenzo Pucitta stammt.

2001 - Gioachino Rossini, Messa di Lugo / Vespro Lughese (Edition: Deutsche Rossini Gesellschaft) – Gabriele Bellini; Eibe Möhlmann, Cosmina Cordun, Pavol Brslik (= Pavol Breslik), Giovanni Botta, Teru Yoshihara, Dariusz Machej; Tschechischer Kammerchor; Tschechische Kammersolisten Brno (Anm.: Im Booklet ist nicht angegeben, welcher Tenor welches Tenorsolo singt; laut Programmheft war Giovanni Botta Tenor 1 und Pavol Breslik Tenor 2. Von mindestens einem Tenorsolo, das im Konzert der Tenor 1 gesungen hat, sind - unter einem anderen Dirigenten, da Gabriele Bellini bereits abgereist war - Nachaufnahmen gemacht worden. Ich habe selbst miterlebt, wie Pavol Breslik und Brad Cohen in der Masterclass von William Matteuzzi erschienen und dort eins der Tenorsoli - ich meine, es war "Qui tollis peccata mundi" - geprobt wurde, und habe mich dann entsprechend erkundigt). Bonus: Matthias Rexroth singt Arien aus der Messa di Milano (Bad Wildbad 1999) - Marc Andreae; Tschechischer Kammerchor; Stuttgarter Philharmoniker (Bongiovanni)

2000 - Gioachino Rossini, L’equivoco stravagante
(Edition: Deutsche Rossini Gesellschaft) – Alberto Zedda; Petia Petrova, Marco di Felice, Marco Vinco, Dario Schmunck, Monica Minarelli, Eduardo Santamaria; – Diese 1811 in Bologna uraufgeführte Oper wurde nach drei Vorstellungen von der Zensur verboten, die den Stoff zu anrüchig fand, - es geht um einen ziemlich emanzipierten „Blaustrumpf“ namens Ernestina, die über die Liebe und die Trennung von Geist und Körper philosophiert und gar als verkleideter „musico“ denunziert und wegen Fahnenflucht verhaftet wird, - „musico“ ist hier im Sinne von Kastrat zu verstehen.

1999 - Gioachino Rossini, Elisabetta – Regina d’Inghilterra – Herbert Handt; Inga Balabanova, Akie Amou, Agata Bienkowska, Harald Quaden, Mario Zeffiri, Seung-Hee Park; Tschechischer Kammerchor; Stuttgarter Philharmoniker (Bongiovanni)


1998 - Gioachino Rossini, Matilde di Shabran – Francesco Corti; Akie Amou, Thomas Ruf, Ricardo Bernal, Noé Colin, Gioacchino Zarrelli, Maurizio Leoni, Agata Bienkowska, Roswitha Grabmeier Müller, Pavel Baxa; Tschechischer Kammerchor; I Virtuosi di Praga (Bongiovanni)



1998 - Gioachino Rossini, Messa di gloria / Tantum ergo - Handt; Acosta, Baxa, Matteuzzi, Stamboglis, Zeffiri; Tschechischer Kammerchor, I Virtuosi di Praga (Hänssler)

1997 - Gioachino Rossini, Il vero omaggio (Kantate) / Il pianto delle muse in morte di Lord Byron – Herbert Handt; Tatjana Korovina, Angelo Manzotti, William Matteuzzi, Hernan Iturralde; Tschechischer Kammerchor; I Virtuosi di Praga (Bongiovanni)

1997 - Gioachino Rossini, Eduardo e Cristina (Edition: Deutsche Rossini Gesellschaft) - Francesco Corti; Omar Jara, Carmen Acosta, Eliseda Dumitru, Konstantin Gorny, Jorge Orlando Gomez; Tschechischer Kammerchor; I Virtuosi di Praga (Bongiovanni)

1996 - Gioachino Rossini, Aureliano in Palmira - Corti; Alnicolli, Canis, George, Korovina, Manzotti, Ordoneau; Tschechischer Kammerchor; I Virtuosi di Praga (Bongiovanni)





1996 - Gioachino Rossini, Le nozze di Teti e di Peleo (Kantate) / Omaggio umiliato a Sua Maestà (Ballettmusik) - Andreae; George, Korovina, Lopera, Malta, Schäfer; Virtuosi di Praga (Hänssler)

1995 - Gioachino Rossini, Sigismondo – Marc Andreae; Carmen Oprisanu, Tatjana Korovina, Omar Jara, Vladimir Prudnikov, Cornelia Müller, Young-Chan Kim; Prager Männerchor; Stuttgarter Kammerorchester (Crossroads Records)

1992 - Gioachino Rossini, Soirée musicale (Kantaten: Egle ed Irene/ Dalle quiete e palli d'ombre / Aurora; Trois choeurs religieux u.a.) - Galcgoczy-Mecher, Moon-Sook Park, Pfeiffer, Mende, Schork; Korth (Piano) - (ebs records)

10. August 2001

2001 - Zum ersten Mal beim Festival "Rossini in Wildbad"

Auf zu Rossini nach Bad Wildbad! Als Antwort auf meine entsprechende Ankündigung gab es meist fragende Mienen und – nach der Aufklärung, dass es da im Schwarzwald ein Festival gibt – ein nachsichtiges Lächeln. Nun ja, in Hamburg leben Rossini-Fans irgendwie in der Diaspora und müssen weit reisen, wenn sie die Meisterwerke Rossinis live erleben wollen.

So machte ich mich denn zum ersten Mal auf nach Bad Wildbad. Bad Wildbad selbst ist – abgesehen von einigen Bausünden aus hässlichem Beton – ein hübscher Ort entlang der rauschenden Enz mit wunderschönem Kurpark, mittendrin ein verfallenes kleines Theater, für dessen Restaurierung ein Förderkreis sehr aktiv ist; eine Besichtigung der Bauruine konnte einen kleinen Eindruck davon vermitteln, welch stilvolle Spielstätte hier entstehen wird.

Für uns Rossini-Fans ist natürlich „der Hügel“ das Zentrum des Geschehens. Dort hinauf ging es Tag für Tag, und es ist schon erstaunlich und erfreulich, mit welchem Engagement aller Beteiligten dort ein wirklich lebendiges Festival veranstaltet wird. Der berühmteste Kurgast der Stadt hätte sicherlich seine Freude an den musikalischen Darbietungen und ganz gewiss auch Spaß an seinem Denkmal, das ihn als Badegast – nur mit einem Handtuch „bekleidet“ – zeigt. Nicht unerwähnt lassen möchte ich auch den freundlichen Konditor, der Rossini-Pralinen kreiert und gern über das Festival plauscht.

Das Programm selbst war sehr vielseitig und von gutem künstlerischem Niveau. Dazu gab es sehr interessante Einführungsvorträge`und informative Programmhefte. Die finanzielle Ausstattung des Festivals ist sicherlich nicht üppig, sondern eher beklagenswert, aber es gibt immerhin eine Übertext-Anlage.

Nicht zu übersehen waren die Präsenz und die Aktivitäten der Deutschen Rossini Gesellschaft und ihrer Mitglieder. Da das nicht – wie ich vermutet hatte – nur eine Art Fan-Club ist, bin ich ganz schnell Mitglied geworden (und bin auch gleich, wie man an diesem Beitrag merkt, in die „Pflicht“ genommen worden).

Rezensionen schreiben andere, deshalb möchte ich nur kurz meine ganz persönlichen Eindrücke schildern: Mit „swinging Rossini“ animierte Alessandro De Marchi als Dirigent der "Pietra del paragone" Orchester, Sänger und Publikum (nächste Spielzeit dirigiert er in Hamburg den Barbiere di Siviglia; ich freue mich sehr darauf!). Meiner Meinung nach war es auch eine szenisch gut gelungene Produktion für einen spielfreudigen Handlungsablauf.

Der "Verter" war für mich musikalisch nicht so aufregend, und ein Werther mit lieto fine ist ohnehin überraschend. Dafür war dann das Drumherum umso interessanter; denn kaum war das Stück als ein Werk von Simone Mayr uraufgeführt, hieß es am nächsten Tag: Ist gar nicht von Mayr, sondern eher von Vincenzo Pucitta! Mögen die Musikwissenschaftler ihre Freude andiesem Streit haben!
Bei dem überschaubaren Rahmen des Festivals ergaben sich auch immer wieder Gelegenheiten zu persönlichen Gesprächen mit den Sängerinnen und Sängern über ihre bisherige Entwicklung und über ihre Hoffnungen und Zukunftsträume. Auch als Zuhörerin bei den Unterrichtsstunden der Masterclass von William Matteuzzi war ich willkommen; an seinen Hamburger Auftritt als Almaviva erinnere ich mich gerne, und jetzt lernte ich ihn als geduldigen, freundlichen und motivierenden Lehrer kennen. Bei diesen zahlreichen persönlichen Kontakten ist man dann wirklich nicht mehr nur Publikum, dem etwas dargeboten wird. Beim Masterclass-Konzert habe ich dann ganz heftig die Daumen für alle gedrückt und mich gefreut, dass die drei, die nach der Generalprobe „meine“ Favoriten waren, einen Preis bekommen haben. Mit besonderem Interesse werde ich die weitere Entwicklung der Sopranistin Lucia Blazickova verfolgen, die mit dramatischer Attacke, ausgezeichneten klaren Koloraturen und differenzierter Gestaltung die Arien der Königin der Nacht und Elvira (I puritani) gesungen hat. Und auch das ist Bad Wildbad. In der Pause des Masterclass-Konzertes wurde spontan ein Sonderpreis gestiftet, damit derTenor Pavol Bršlik (*s. u.), der schon bei der Aufführung der faszinierenden geistlichen Jugendwerke Rossinis begeistert hatte, der aber nicht die persönlichen Voraussetzungen für den offiziellen Preis erfüllte, auch die verdiente Auszeichnung erhalten konnte. Ich freue mich auf ein Wiedersehen.

Anteil nehmen konnte man auch an den Sorgen und Aufregungen, mit denen die künstlerische Leitung fertig werden musste, so wenn ein Sänger – von mir tituliert als die männliche „Primadonna“ von Bad Wildbad – vor seinem Auftritt noch schnell ein EKG verlangt, während sich das Publikum schon erwartungsvoll im Saal eingefunden hat. Und dann der kurzfristige Ausfall von Matthias Rexroth! Kein Cover vorhanden, Frau Bienkowska erklärt sich bereit, neben der Clarice auch die Rolle des Tancredi zu übernehmen. Sicherlichdie Rettung der Vorstellung und auch eine große Chance für die Sängerin,aber man macht sich dann doch so seine Gedanken und Sorgen, ob das Proben und Singen von zwei Hauptpartien ohne Ruhetage nicht doch zuviel ist und ob die junge Sängerin durch diesen Totaleinsatz nicht vielleicht ihre wirklich schöne und kostbare Stimme gefährdet. Auch hier freue ich mich auf ein Wiederhören, vielleicht nicht nur in Bad Wildbad.

Nach einem abschließenden Büffet in den am 29. Februar 2000 eingeweihten wunderhübschen, stilvollen Rossini-Räumen im Hotel Bären war dann das diesjährige Festival beendet. Mein abschließender Rundgang führte mich noch einmal zum Rossini-Denkmal, und liebevoll tätschelte ich seinen nackten Bauch: „Auf Wiedersehen, Maestro! Bis zum nächsten Jahr!“.
Mitteilungsblatt der DRG Nr. 22 (September 2001)

Nachtrag 3.4.2012:
* Es handelt sich um den mittlerweile international bekannten Tenor Pavol Breslik, der seinen Namen für Nicht-Slowaken aussprechbarer gestaltet hat.