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6. Juli 2014

Apropos Frauen mit Vollbart - Bärtiges auch auf der Opernbühne


Auf der Opernbühne...

... gibt es Frauen in Männerrollen:

- Von Mozart über die diversen Contraltohelden Rossinis bis zu R. Strauss - 

Bei Hosenrollen sind Bärte allerdings eher selten, - aber hier sogar ein Vollbart: 

Tancredi de Rossini au Théâtre des Champs-Elysées

(L'Oeil et l'Oreille 20. Mai 2014)


.... und es gibt Männer in Frauenrollen...

Aber wenn der Countertenor nun einen Vollbart hat? 
Na und? Stört nicht einmal bei einer Liebesszene... 
selbst erlebt an der Hamburgischen Staatsoper 2000:


Irina, Olga und Mascha - die drei Schwestern in "Tri Sestri" von Peter Eötvös
(Oleg Riabets - David Cordier - Lawrence Zazzo)


..... und dann gibt es sogar eine "Bartfrau" in einer Oper ....


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... das ist aber doch...!  


Nein, ist sie nicht, sondern Natasha Petrinsky als Baba im 
Juni 2014 auf der Bühne des Teatro La Fenice di Venezia,
- ganz offensichtlich inspiriert von Conchita Wurst (re.)
Trailer La Fenice


Auch viele andere Sängerinnen tragen in dieser Rolle Vollbart, 
hier ein besonders aufwendig gestyltes Beispiel: 

Kein Regieeinfall, sondern librettogerecht: 
Baba the Turk 
(Igor Strawinsky - The Rake's Progress, 1951)

Das erinnert natürlich an das traurige Kapitel der Schaubuden auf Jahrmärkten, in denen
 Abnormitäten zur Publikumsgaudi ausgestellt wurden, darunter "Bartfrauen":

ca. 1900

Weitere historische Bartträgerinnen:



Ägypten: Königin Hatschepsut (1473 v. Chr. bis 1458 v. Chr.)


Heilige Kümmernis in der Sakristei der Pfarrkirche von Axams
(Tiroler Tageszeitung  16. Mai 2014)


Wikipedia

Der wissenschaftliche Aspekt:

12. Januar 2011

Die Nacht der Countertenöre


Entgegen den durch den Titel geweckten Erwartungen wurde es ein Konzert von noch normaler Länge, das am 11. Dezember 2010 im Rahmen der NDR-Konzertreihe „Das Alte Werk“ in der Hamburger Laeiszhalle stattfand. Vier Countertenöre – eine vierfache Vielfalt an Stimmfarben und gestalterischen Varianten. Jeder der Solisten sang en bloc jeweils drei Arien, begleitet von I Barocchisti, vor den Blöcken gab es Ouvertüren und Zwischenspiele, abschließend folgte noch ein Duett, und zum Finale und zu den Zugaben vereinten sich die Herren dann zu einem Chor. Auf dem Programm standen Arien aus Opern von Händel, Vivaldi, Gluck, Porpora, Veracini und Sarti.



Den Anfang machte der Ukrainer Juri Minenko (li.), der eine schöne Stimme vorführte, dessen Vortrag aber mangels differenzierender Gestaltung etwas eintönig wirkte. Weniger schönstimmig und in den Koloraturen etwas weniger geläufig war die dunkler gefärbte und gelegentlich leicht heiser klingende Stimme von Matthias Rexroth (re.), dafür aber umso ausdrucksstärker seine Gestaltung der in den Arien beschriebenen Ereignisse und Stimmungen. Anrührend insbesondere die Arie „Cara sposa“ aus Händels „Rinaldo“, die Rexroth dem Dirigenten Diego Fasolis widmete, der sich wegen schwerer Erkrankung seiner Ehefrau an diesem Abend von der Konzertmeisterin Fiorenza de Donatis vertreten lassen musste.




Nach der Pause dann der Katalane Xavier Sabata (li.), Hüne in Gestalt und Stimmkraft, der an gestalterischer Feinheit und ausgefeilter Diktion seinem Kollegen Rexroth in nichts nachstand. Auf diese virile Darbietung folgte umso kontrastreicher Max Emanuel Cencic (re.) mit einer sopranhaft silbrigen Stimme, mit der er endlose Bögen spann. Es war auffallend, dass nicht die Arien mit Koloraturfeuerwerk, sondern eher die getragenen und besinnlichen Stücke aufgrund der bewegenden Sprach- und Ausdrucksgestaltung den größten Eindruck machten und das Publikum zu sich ständig steigernden Jubelstürmen hinrissen.

Konzert vom 11. Dez. 2010

11. Januar 2011

Grauns Heldenoper "Montezuma"



Countertenöre hatte es zu Beginn der Saison auch auf Kampnagel in Hamburg-Barmbek zu hören gegeben, als dort die „Theater der Welt 2010“-Produktion von Grauns „Montezuma“ gastierte. Zuvor war diese Inszenierung u. a. beim Edinburgh Festival und in Madrid aufgeführt worden. Die Vorstellung in Madrid vom 18. September 2010 - in derselben Besetzung wie beim Gastspiel auf Kampnagel - ist vom spanischen Rundfunk mitgeschnitten und bereits von mehreren Radiostationen gesendet worden. 

Carl Heinrich Graun: "Montezuma"
Opera seria in drei Akten
In italienischer Sprache
Montezuma - Flavio Oliver
Eupaforice - Lourdes Ambriz
Tezeuco - Rogelio Marín
Pilpatoé - Lucía Salas
Erissena - Lina López
Hernán Cortés - Adrián-George Popescu
Pánfilo de Narváez - Christophe Carré
Coro de Ciertos Habitantes
Concerto Elyma
Leitung: Gabriel Garrido
Besuchte Vorstellung: Premiere am 29. September 2010
Carl Heinrich Graun war Hofkomponist des Preußenkönigs Friedrich II., der das Libretto zu dieser 1755 uraufgeführten „Heldenoper“ verfasst hat (sein französischer Text wurde umgehend ins Italienische übersetzt). Friedrich II. fasst die Ankunft von Cortés in Mexiko und den Sturz Montezumas in einer einheitlichen Handlung zusammen. Rein akustisch ist der Sache leider schwer zu folgen, da sechs der sieben Partien Sopranpartien sind: drei männliche Soprane, drei weibliche Soprane (davon einer in einer Hosenrolle), dazu dann noch ein hoher Tenor. DLR-Kultur hatte zwar – aus unerfindlichen Gründen und abweichend von den Angaben aller anderen Sender, die die Aufzeichnung aus Madrid bereits gesendet hatten - bei seiner Ausstrahlung dieser mit der Hamburger Besetzung identischen Aufzeichnung behauptet, dass die Partie des Cortés von einem Bass gesungen würde, - BR-Klassik wird diese unzutreffende und den Zuhörer völlig irritierende Angabe hoffentlich nicht wiederholen.

Foto: Herman Sorgeloos - Kampnagel

CD/DVD-Tipps:

In der 1992 vom Label Capriccio in Coproduktion mit dem WDR veröffentlichten CD-Gesamtaufnahme des "Montezuma" werden alle sieben Partien von Frauen gesungen. Inzwischen stehen für solche Aufgaben glücklicherweise genug fähige Countertenöre zur Verfügung, so dass es auch anders herum geht. Deshalb zum Abschluss Hinweise auf zwei Produktionen, in denen alle Rollen von Männern gesungen werden. Zum einen ist da die auf DVD veröffentlichte szenische Produktion aus Caen „Il Sant'Alessio“ (1632) von Stefano Landi, unter William Christie und mit Philippe Jaroussky, dem derzeit wohl faszinierensten Countertenor, in der Titelrolle. Die Ehefrau des Sant'Alessio wird von Max Emanuel Cencic und die Mutter wird von Xavier Sabata gespielt und gesungen, womit wir wieder bei zwei der Herren aus der "Nacht der Countertenöre" wären (Virgin Classics – 2 DVD). Zum anderen ist die 1998 in Lyon uraufgeführte und seitdem an zahlreichen Häusern – darunter 2000, 2001 und 2006 auch an der Hamburgischen Staatsoper in der Fassung der Uraufführung und mit teils identischer Besetzung – aufgeführte Oper „Tri sestri“ von Peter Eötvös (nach dem Theaterstück „Drei Schwestern“ von Tschechow) mit 13 Rollen für Männerstimmen zu nennen; die Partien der drei Schwestern sind in der Uraufführungsfassung für Countertenöre (Sopran – Mezzosopran – Alt) komponiert, ebenso die Rolle der Schwägerin, während die Amme von einem Bass gesungen wird. Damit das Werk auch an mittleren Bühnen aufgeführt werden kann, hat – bevor andere sich darüber hermachen würden – Peter Eötvös selbst eine Fassung für Frauenstimmen für die vier Partien der Countertenöre geschrieben. Der Mitschnitt der Uraufführung ist bei DGG erschienen (2 CDs).








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