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2. Januar 2013

Maestro Alberto Zedda zum 85. Geburtstag - Sein Buch "Divagazioni rossiniane", vorgestellt von Gianfranco Mariotti

Heute feiert Maestro Alberto Zedda seinen 85. Geburtstag. Ich freue mich, aus diesem Anlass nachstehenden Beitrag veröffentlichen zu dürfen, der demnächst in La Gazzetta erscheinen wird, der Jahreszeitschrift der Deutschen Rossini Gesellschaft, deren Ehrenpräsident Alberto Zedda seit vielen Jahren ist. Mit dieser - anlässlich der Präsentation des Buches von Alberto Zedda Divagazioni rossiniane gehaltenen - Rede zeichnet Gianfranco Mariotti, der Intendant des Rossini Opera Festivals in Pesaro, auf bewegende Weise die verschiedenen Facetten von Persönlichkeit und Schaffen Alberto Zeddas. Auf das Erscheinen des Buches in deutscher Übersetzung können wir uns wirklich sehr freuen. Herzliche Glückwünsche, alles Gute, Gesundheit und viele schöne musikalische Erlebnisse! (esg)
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Foto: Vlaamse Opera 2010/11
 
 Divagazioni rossiniane von Alberto Zedda. Buchpräsentation von Gianfranco Mariotti

Am 9. August 2012 präsentierte Gianfranco Mariotti, Intendant des Rossini Opera Festivals, in der Bibliothek „San Giovanni“ in Pesaro das eben erschienene Buch von Alberto Zedda, Divagazioni rossiniane („Rossinische Exkurse“).Auf unsere Anfrage hat Dr. Mariotti seine Rede für unseren Ehrenpräsidenten in Schriftform gebracht, und wir freuen uns, sie hier in deutscher Übersetzung rechtzeitig zu Alberto Zeddas 85. Geburtstag am 2. Januar 2013 abdrucken zu können. Die italienische Originalfassung ist unter www.rossinigesellschaft.de verfügbar. Außerdem bereitet die Deutsche Rossini Gesellschaft eine deutsche Übersetzung des Buches vor, die voraussichtlich Mitte 2013 als Band 8 der „Schriftenreihe“ bei Ricordi München erscheinen wird.

Wie wir alle wissen, gehört jedes Werk der menschlichen Kreativität (ein Buch, ein Gedicht, ein Musikstück, ein Bild, eine Skulptur), wenn es einmal den Kopf seines Schöpfers verlassen hat, dem Publikum: den Lesern, den Zuhörern, den Betrachtern. Ein Roman beispielsweise lebt, wenn die Nabelschnur zu seinem Schöpfer einmal durchtrennt ist, sein eigenes Leben und folgt einem eigenständigen Weg. Sie werden deshalb meine Verlegenheit verstehen, als mir die Aufgabe anvertraut wurde, ein Buch vorzustellen, das den Autor selbst verkörpert – und zudem noch einen Menschen, den ich gut kenne und an den mich eine brüderliche Freundschaft bindet und mit dem ich seit über dreißig Jahren leidenschaftlich ein rossinisches Abenteuer teile. Es fällt mir also schwer, die hier nötige Objektivität und Ausgewogenheit zu finden. Aber ich will es versuchen.

Das erste Merkmal, das an diesem Buch auffällt, ist seine Unausgeglichenheit. Zwar hat es zu Beginn ein Inhaltsverzeichnis, das genau das Gegenteil suggeriert, mit einer Reihe von schön geordneten Abschnitten. Es gibt einen autobiografischen Teil, einen Teil über die Bekanntschaft mit Rossini, einen zu den Fragen der rossinischen Vokalität, zu jenen der Aufführungspraxis, zu musikwissenschaftlichen Aspekten, Ratschläge für die Jungen, Betrachtungen in Form von Aufsätzen zu vierzehn Rossini-Opern. Aber es genügt eine erste Durchsicht, um sich bewusst zu werden, dass keiner dieser Abschnitte wirklich eigenständig ist, vielmehr berührt einer den anderen, und sie verflechten sich ständig. Man muss hinzufügen, dass sich der Autor des Problems vollkommen bewusst ist, wenn er gleich zu Beginn relativiert und daran erinnert, dass es sich eben um „Exkurse“ handelt, also um Notizen, um Gedanken und Ideen, die im Laufe der Zeit, in verschiedener Weise und zu unterschiedlichen Gelegenheiten entstanden sind, und wenn er anfügt, man solle beachten, dass es deshalb möglich sei, auf Wiederholungen, Ungenauigkeiten und sogar Widersprüche zu stoßen. Soweit, so klar? Nein. So wie Polonius angesichts von Hamlets Eigenartigkeiten ausruft: „Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode“, so könnte ich sagen, dass der Mangel an Systematik in diesem Buch nicht nur von seiner Entstehungsgeschichte, vom Zufall oder von den Umständen abhängt, sondern von etwas Tiefgreifenderem und Grundsätzlicherem, das direkt dem Autor angehört. Kurz und gut: Es hat Methode. Tatsächlich erscheint Alberto Zedda in diesem Buch genau wie im Leben als ein Mensch mit drei Dimensionen: jener des Dirigenten, jener des Musikologen und jener des Lehrers. Grundsätzlich ist es so, dass er immer und jederzeit diese drei Dinge gleichzeitig ist. Es wäre ungerecht, aber auch unmöglich, Zedda nur unter einem dieser drei Aspekte zu betrachten. Das Resultat würde immer geringer als die Wirklichkeit ausfallen, denn es ist dauernd diese Dreieinigkeit, die seine Charakteristik und seine Stärke bildet. Alberto ist ein gebildeter Dirigent, mit einem reichen humanistischen Hintergrund, aber auch fähig eine Partitur mit der Kompetenz des Spezialisten zu handhaben. Im Weiteren ist er kein pedantischer Musikologe, sondern einer, der in der Lage ist, die Fragen des musikalischen Textes mit der Erfahrung und dem gesunden Menschenverstand des praktizierenden Musikers anzugehen. Er ist schließlich ein großherziger Lehrer mit der Bereitschaft, den Jungen vor allem auf dem Gebiet des Belcanto die eigenen umfassenden Erfahrungen aus diversen Gebieten weiterzugeben. Die Unentwirrbarkeit dieser drei Dimensionen widerspiegelt sich in diesem Buch, und sie ist der wahre Grund für dessen Unausgeglichenheit. Wenn man einen schwülstigen Vergleich machen wollte, könnte man sagen, dass Zedda einem Künstler der Renaissance gleicht, der sich für alles interessiert und in unterschiedlichen Disziplinen brilliert. Wenn wir uns hingegen auf einen volkstümlicheren und banaleren Vergleich beschränken wollen, so könnten wir ihn mit einem Skifahrer vergleichen, der immer in der Kombination gewinnt…

Alberto Zedda bezeichnet sich gerne als „Dilettanten“, der es aber verstanden habe, Profi-Ergebnisse zu erzielen. Das ist offensichtlich eine Koketterie, aber sie enthält wie alle Paradoxe eine gewisse Wahrheit. Und in der Tat, wenn wir sehen, was der Autor über seine Erfahrungen erzählt, so erkennen wir, dass wir nicht weit von der Wahrheit entfernt sind. Doch hören wir seine eigenen Worte:
Mein kultureller Werdegang verlief eher ungewöhnlich. Statt in den Hörsälen der Universität und im Konservatorium, erfolgte er im Loggione der Scala und im Piccolo Teatro, in der Casa della Cultura und in der Società Umanitaria – also an Orten, wo damals begeisternde Diskussionen stattfanden, die in der Regel bei Jazz-Sessions im Santa Tecla, intellektuellen Mußestunden im„Giamaica“ und kräftigen Umtrünken im Cantinone endeten. […]

Ich habe mit allem experimentiert, jede Erfahrung mit leidenschaftlichem Eigensinn aufgesaugt: die religiöse Mystik, die erotische Exaltation, die Leidenschaft für das Schachspiel, die Schauspielkunst, die proletarische Arbeit, die rebellische Illegalität, Politik und Gewerkschaft, die kulturelle Debatte, die Suche nach Neuem, die Entdeckung des Alten – das Ganze bereichert durch eine unbändige Lesewut, die vor keinem Thema haltmacht. Ich bin also ein ‚Dilettant‘(im ursprünglichen Sinn des Wortes, d.h. jemand, der sich an allen Erfahrungen erfreut), der hart dafür gearbeitet hat, um in seinem Wirken eine tadellose Professionalität zu erreichen.
Objektiv gesehen ist keine seiner Laufbahnen wirklich linear und keine folgt einem kanonischen Studium und normalen Erfahrungen. Die Leidenschaft, die unerwarteten Ereignisse, manchmal der Zufall, das sich nicht Zufriedengeben mit einer Sache, das sich Zuwenden zu einer neuen Sache, ohne eine vorherige zu Ende zu führen – die plötzlichen Impulse beherrschen ihn, aber nur scheinbar: Die Resultate – auf allen Gebieten – erreichen immer wieder die Vollkommenheit, obwohl die Anhäufung vieler gleichzeitiger Dinge oft zu Überlappungen und Durcheinander führt. Wahrscheinlich ist es eine starke Egozentrik, die dieser scheinbaren Unordnung einen Sinn gibt. Die Ursache von all dem ist eine bemerkenswerte Entfaltung von Energie, die der eigenen Leidenschaft, dem eigenen Verlangen, den eigenen Trieben dient.

Aber betrachten wir ein Beispiel, das mir besonders typisch für all das Gesagte erscheint und das ich dem Buch entnehme. Bekanntlich hat Rossini 1867, ein Jahr vor seinem Tod, die Petite Messe solennelle für großes Orchester instrumentiert, nachdem er sie vier Jahre zuvor für eine Kammerbesetzung komponiert hatte. Seltsamerweise wird aber das Prélude Réligieux, das in der ursprünglichen Version dem Klavier solo anvertraut war, nicht orchestriert, sondern der Orgel übertragen, und zwar einer großen Domorgel, eine Voraussetzung, die in der Wirklichkeit oft nur schwer zu realisieren ist. An diesem Punkt (S. 115) bemerkt Zedda:
Es kommt so zu einem radikalen, ja peinlichen Klangkontrast: Während der acht Minuten des Prélude Réligieux und der vier des darauf folgenden „Sanctus” für Chor und Soli a cappella schweigt das Orchester; seine Instrumente ertönen dann nur noch einmal in den letzten beiden Nummern […]. Das daraus resultierende klangliche Ungleichgewicht ist derart gewaltig, dass das gesamte Werk dadurch aus der Balance gerät und in Hörer und Interpret ein vages Gefühl der Unvollendetheit entsteht […].

Einer der Gründe, die Rossini dazu bewogen haben könnten, das Prélude Réligieux gar nicht zu instrumentieren bzw. seine Orchestration auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben, bestand vielleicht in einem technischen Problem: Die Exposition des Prélude beruht auf einem fugierten Thema, das nach klassischer Tradition eigentlich von einem einzigen Instrument ausgeführt werden sollte. Abgesehen jedoch von wenigen Streichinstrumenten wäre aufgrund seines ungewöhnlich großen Tonumfangs keines der übrigen von Rossini zur Orchestrierung seiner Werke verwendeten Instrumente in der Lage gewesen, das gesamte Thema durchzuführen. Wäre nicht sein Tod dazwischengekommen, dann hätte der Maestro wahrscheinlich auf ein entsprechend umfunktioniertes Bassetthorn (oder eine Bassettklarinette) zurückgegriffen. Heute lässt sich die Passage optimal mit einer Bassklarinette (oder einem Tenorsaxophon) bewältigen, die diesem sublimen Stück zudem die richtige Ausdrucksfarbe verleiht. Deshalb habe ich mir nach Jahren des Zögerns in aller Bescheidenheit erlaubt, es anstelle von Rossini zu instrumentieren, der mir diesen mutigen Liebesbeweis aber bestimmt verzeihen wird.
Es ist also Zedda selbst, der kühn, aber mit guten Argumenten das himmlische Prélude, das ursprünglich der Orgel überlassen wurde, für ein großes Sinfonieorchester instrumentiert. Ich füge an, dass die Petite Messe für Orchester in dieser Fassung auch einmal in Pesaro mit einem faszinierenden und überzeugenden Resultat aufgeführt wurde. Nun frage ich mich, und ich frage Sie: Welcher Zedda agiert in dieser Episode? Der Dirigent? Der Musiker? Der Musikologe? Der Korrepetitor? All dies zusammen?

Wenn wir dieses Buch als authentisches Zeugnis, als Dokument eines Lebens betrachten (und das ist es), dann müssen wir daraus schließen, dass all diesem ein widersprüchlicher Kern, ein Oxymoron zugrunde liegt, eine Mischung aus Großzügigkeit und Egoismus, zwei Kategorien, die natürlich nicht materiell zu verstehen sind, sondern vielmehr ideell oder metaphysisch. Was den ersten Punkt betrifft: Alberto lebte und lebt ein großherziges Dasein, das von der Bereitschaft gekennzeichnet ist, den anderen viel von sich zu geben, namentlich den jungen Künstlern, wie dieses Buch selbst bezeugt. Um diese Charakteristik zu verstehen, muss man ihn bei der Arbeit in den Kursen der Accademia Rossiniana erlebt haben, muss man ihn gehört haben, wie er mit seiner sintflutartigen und überbordenden Eloquenz die Schüler überrollt, um sie zu bezaubern, zu überraschen, zu informieren, zu korrigieren, zu beschimpfen, zu beschwichtigen, zu erhellen, zu überzeugen… Ein echtes Gewitter, vermischt mit wertvollen technischen Ratschlägen, geschmackvollen Bemerkungen, einschlägigen Hinweisen, das die Schüler schließlich gereinigt und verändert und jedenfalls mit einer bleibenden Dankbarkeit dem Maestro gegenüber für das unvergessliche Bildungserlebnis von Pesaro zurücklässt. Hören Sie dazu folgende Passage aus dem Buch:
Es wird nicht genügend beachtet, dass es einer umfassenden kulturellen Aus- und Fortbildung bedarf, die sichüber die rein auf die Musik ausgerichteten Gebiete hinaus erstreckt. Ohne eine entsprechende Neugier kann man aber nicht den ständigen Wandel der Interpretationsmodelle wahrnehmen, die jede neue Generation wieder in Frage stellt. Kritiker prüfen täglich die in den Opernhäusern und Konzertsälen bestehenden künstlerischen Tendenzen und analysieren sie unter der Lupe der Aktualität; Musikwissenschaftler untersuchen die Entdeckungen grundlos vergessener Nachlässe und fördern deren Neubelebung, indem sie Hinweise zu einer passenden Aufführungspraxis erteilen; Gesangsexperten verfeinern die Techniken, um den Anforderungen gerecht zu werden, die die wiederentdeckten Werke stellen; Komponisten riskieren es, bei der Suche nach neuen musikalischen Ausdrucksmitteln auf Unverständnis zu stoßen; Organisatoren von Festivals und Konzerten suchen nach Kommunikationsformen, die den Zuspruch eines jungen Publikums finden. Der Opernsänger darf hier nicht am Rande des Geschehens verharren, als ginge ihn das Ganze nichts an: Er weiß nicht, welch großen Nutzen er aus all diesen Erkundungen ziehen kann, wie viele Anregungen, wie viele Anstöße zur Bewältigung seiner jeweiligen Probleme. Denn auch das Singen ist eine geistige Aktivität und kommt von daher nicht ohne gründliches Nachdenken aus.Es wird für ihn eine angenehme Überraschung sein, festzustellen, wie viele Schwierigkeiten sich durch Intelligenz und Bildung aus dem Weg räumen lassen.
Was den Egoismus Zeddas betrifft, so handelt es sich – natürlich –um eine Haltung, die auf Ichbezogenheit und einer gehörigen Portion Selbstwertgefühl basiert, aber vor allem auf der Vorherrschaft und der Unbezwingbarkeit des Verlangens, verbunden mit einer geringen Bereitwilligkeit zum Verzicht. Dieses alles Verlangen und auf nichts Verzichten widerspricht natürlich jedes Mal der wirklich zur Verfügung stehenden Zeit und ist Ursache für Kollisionen, Überlappungen und Nichteinhaltungen. Das Merkwürdige dabei ist, dass dies nicht nur bei den großen Unternehmungen geschieht, sondern auch in den kleinen und alltäglichen Dingen, ob bei einem Museumsbesuch, einem Ausflug zu einem Aussichtspunkt oder selbst bei einem mehrgängigen Menü. Aber ich möchte ein anderes Beispiel anführen, das indirekt, aber vielsagend eine typische Form von Albertos metaphysischem Egoismus aufzeigt, nämlich die unbezähmbare Neigung zur Abschweifung. Ich habe bereits seine überbordende und unaufhaltsame Eloquenz erwähnt. Wenn er also spricht, bildet sich in seinem Gehirn manchmal eine Parenthese, die auf ein kleines Detail anspielt. Jeder andere würde zügig fortfahren, um den Faden nicht zu verlieren. Er nicht. Er geht auf die Klammer ein und fährt dann zuversichtlich fort, aber nicht immer findet er die Hauptlinie wieder, ja oftmals kommt er davon ab und verliert sich. Das ist, wie mir scheint, ein Beispiel seiner mangelnden Bereitschaft, selbst auf kleinste Details zu verzichten.

Der letzte Teil ist den Betrachtungen des Bildungsmenschen (natürlich immer in seiner Dreieinigkeit) rund um vierzehn rossinische Werke gewidmet. Es handelt sich um eine wahre Fundgrube von anregenden Bemerkungen, die ich hier nicht einmal zusammenzufassen versuche. Aber eine möchte ich zitieren, bezüglich Tancredi, weil sie selbst mich, der ich mit Alberto solche Themen unzählige Male diskutiert habe, überrascht hat. Bekanntlich hat Tancredi zwei Finali: das ursprüngliche, glückliche Ende, das Rossini 1813 für Venedig komponiert hat, und das tragische, das er im gleichen Jahr für die Wiederaufnahme in Ferrara geschrieben hat, wohl auf Anregung des Grafen Luigi Lechi, bei dem er zu Gast war. Es ist auch bekannt, dass der Oper ein Libretto zugrunde liegt, das von Absurditäten gekennzeichnet ist, wo die verliebten Hauptpersonen, Tancredi und Amenaide, Opfer eines tragischen Missverständnisses sind, das sie bis zum Schluss nie klären, obwohl sie viele Gelegenheiten dazu hätten. Daraus entsteht ein beklemmendes Klima, ein Albtraum, ähnlich den Träumen, die jeder von uns manchmal hat, in dem eine absurde Situation auf die andere folgt, ohne dass man je zu einer Auflösung kommt. Die Geschichte sagt, dass das tragische Finale wegen seiner ungewohnten, nüchternen Schmucklosigkeit das Publikum befremdet habe, zeigte es doch statt des üblichen schmerzlosen Schlusses eine tiefschürfende Sterbeszene mit wenigen essentiellen Noten im diminuendo, ein wahrhaftiges Aushauchen der Töne in der Totenstille (Fedele D’Amico schrieb seinerzeit wunderschön in unserem Programmheft:„man glaubt die Entstehung der Stille mittels der Musik selbst hören zu können“). Die Geschichte des Autographs erzählt uns Zedda in seinem Buch. Rossini, der von der Ablehnung des Publikums Kenntnis genommen hatte, griff wieder auf das glückliche Ende zurück und ließ das andere fallen; seine Spuren verlieren sich, und es galt für anderthalb Jahrhunderte als verloren. Die Nachfahren von Luigi Lechi haben es in den 1970er-Jahren in dessen Nachlass gefunden und Zedda zur Kenntnis gebracht, der es großzügig Philip Gossett überließ, dem Herausgeber der kritischen Edition von Tancredi. Dies erlaubte dem ROF, die Oper 1982 erstmals mit dem unveröffentlichten tragischen Ende aufzuführen, und zwar mittels eines Regieeinfalls sogar mit beiden Finali hintereinander (und man erlaube mir hier, die Verantwortung für die ursprüngliche Idee dieser eigenwilligen Lösung zu übernehmen). Es steht außer Zweifel, dass für unsere Kultur und unseren heutigen Geschmack das tragische Ende in ästhetischer Hinsicht als schöner, moderner, eindrucksvoller und bewegender betrachtet wird, und es ist auch dasjenige, das heute fast immer vorgezogen wird. Es bleibt die Verwunderung über eine so drastische und konsequente Lösung Rossinis. Zedda spricht in seinem Buch an zwei Stellen davon, die sich teilweise widersprechen. Die erste findet sich auf Seite 18, wo er sagt, dass dieses Stück
[…] mit beeindruckender Wahrhaftigkeit die Tragödie des Sterbens erfasst. Der Klang, die Musik, die Stimme erlöschen ganz allmählich, bis sie schließlich die kosmische Leere erreichen, das Nichts. Rossini muss dieses bittere Bekenntnis eines agnostischen Pessimismus selbst so erschüttert haben, dass er es bei späteren Reprisen nicht mehr in die Oper einfügen wollte. Gegen seine Gewohnheit ließ er das autographe Manuskript in den Händen seines Inspirators, der es dann, vielleicht dem Willen seines Gebers entsprechend, vor aller Welt verborgen hielt.
Aber später, auf Seite 172, stellt er eine anderslautende und eindringlichere Überlegung an, wenn er bemerkt, dass Rossini bei der Erfüllung von Luigi Lechis Wunsch…
[…] zwar eine intellektuell tadellose Operation ausführt, mit dieser sinnvollen Geste aber der versteckten Traumlogik widerspricht und ihren morbiden Zauber stört. […] Mit unfehlbarem theatralischem Gespür erkennt er, dass dieses konkrete Bild, dieser logische Schluss mit der Mysteriosität kollidiert, die das Handeln seiner Verliebten umgibt. Im Nachhinein verwirft er so seinen Eingriff und kehrt zu dem glücklichen Finale zurück, das – gerade wegen der evidenten Absurdität des Handlungsgeschehens – wie das beruhigende Erwachen aus einem Albtraum klingt.
Es stimmt, und ich gestehe, dass ich das nie in Erwägung gezogen habe. Das tragische Finale ist sicher schöner, aber es löst nicht, sondern verlängert vielmehr die beklemmende Widersinnigkeit, die das Merkmal dieser Oper ist. Das glückliche Ende dagegen, obwohl musikalisch weniger wertvoll, wirkt tatsächlich wie das „beruhigende Erwachen aus einem Albtraum“ und ist deshalb paradoxerweise in theatralischer Hinsicht viel schlüssiger als das andere. Nun müssen Sie wissen, dass dieses Buch voll von solchen erhellenden Betrachtungen ist, weshalb ich es Ihnen zur Lektüre empfehle.

Ich komme zum Schluss. Ich habe zuvor von Zeddas Energie gesprochen. Da gibt es auch eine ganz spezielle, diejenige, die die Spanier mit duende bezeichnen und die nur wenige besitzen; etwas, das niemand definieren kann, aber das alle kennen, nämlich eine verhüllte Energie, ein Charisma, eine Tiefe, ein positiver Dämon oder – um es mit Garcia Lorca zu sagen – „eine geheimnisvolle Macht, die jeder fühlt, aber kein Philosoph erklärt“ (Theorie und Spiel des Dämons, 1933). Also, wenn Sie es wissen wollen: Alberto ist voll von duende. Ich beschränke mich auf ein Beispiel. Vor einigen Jahren sollten wir beim Rossini Opera Festival La scala di seta zur Aufführung bringen, als der verpflichtete Dirigent plötzlich eine Krise hatte und uns nach der Generalprobe im Stich ließ. Wir hatten keine andere Wahl als auf die beiden Dirigenten, die vor Ort waren und zum Glück die Partitur kannten, zuzugehen und sie zu bitten, das Dirigentenpult abwechselnd zu übernehmen. Einer der beiden war Alberto Zedda. Ich füge hinzu, dass beide Dirigenten keine Gelegenheit hatten, mit dem Orchester zu proben. Als es soweit war, zeigte sich, dass hinsichtlich der Klarheit und Präzision der Zeichengebung der andere Dirigent besser zu dirigieren schien, aber dennoch fiel das Ergebnis anders aus: das Orchester spielte besser unter Alberto. Es hatte eine andere Brillanz, einen anderen Elan, ja selbst eine andere Klangfarbe. Eine Frage von Kommunikationsfähigkeit und Erfahrung, sicherlich; aber ich glaube vor allem eine Frage von duende!

Übersetzung von Reto Müller. Die Übersetzung der Buchzitate stammt von Marcus Köhler

© Deutsche Rossini Gesellschaft e.V.
Auszug aus «La Gazzetta», Zeitschrift der Deutschen Rossini Gesellschaft, XII, 2012

Alberto Zedda, Divagazioni rossiniane, Mailand, Ricordi 2012, 196 Seiten, kartoniert, ISBN 978-88-7592-921-3, € 18,00.
Deutsche Übersetzung von Marcus Köhler
in Vorbereitung: München, Ricordi 2013 (=Schriftenreihe der Deutschen Rossini Gesellschaft, 8).

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Und hier meine ganz persönlichen Glückwünsche,
verbunden mit einem Auszug aus meiner Aufführungs-Datenbank:

Zum Vergrößern bitte anklicken!


Eine kleine Geschichte am Rande:
In den frühen 1980er-Jahren dirigierte Alberto Zedda des Öfteren an der Hamburgischen Staatsoper. Bei anderen Dirigenten gab es auch damals die - leider auch heute noch - üblichen Striche beim Barbiere di Siviglia, - nicht aber, wenn Alberto Zedda am Pult stand! In einer dieser Vorstellungen wähnte sich der Sänger des Conte Almaviva bei der Cabaletta des Duetts Figaro/Almaviva "All' idea di quel metallo" schon auf der Zielgeraden und wirkte leicht verwirrt, als es noch weiterging, - er fand aber schnell wieder den Anschluss...
 
 
Mehr zu Alberto Zedda hier im Blog:
 
 
Diverse Aufführungsrezensionen über die Rubrik

6. August 2012

Alberto Zedda und Gioachino Rossini: Leidenschaft und Begeisterung


Niemand kann so begeistert und begeisternd über "seinen" Rossini sprechen wie Alberto Zedda! Auch mit jetzt 84 Jahren ist er unermüdlich in Sachen Rossini im Einsatz. In wenigen Tagen beginnt das diesjährige Rossini Opera Festival (ROF) in Pesaro, dessen künstlerischer Leiter Alberto Zedda ist. Auf dem Programm stehen Inszenierungen von Ciro in Babilonia, Matilde di Shabran und Il signor Bruschino. Auch der Maestro wird dirigieren: eine konzertante Aufführung von Tancredi.

Es ist immer wieder eine Freude und ein großer Gewinn, seine Erklärungen zu Rossini und seiner Musik zu lesen, wie z. B. in den folgenden Auszügen aus zwei Interviews. Das Interview von 2007 stand Anfang 2012, als Maestro Zedda an der Deutschen Oper Berlin mehrere Aufführungen von Tancredi dirigierte (s. Presseschau), vorübergehend wieder auf der Internetseite der DOB. Im Interview von 2008, das im Sommer 2008 auszugsweise auf der Internetseite der Zeitschrift "Das Opernglas" stand, äußerte sich Maestro Zedda auch zum Festival "Rossini in Wildbad", wo er mehrfach dirigiert hat (s. Rubrik "Rossini in Wildbad" - Diskografie). Abschließend dann noch einige Links zu Beiträgen auf der Seite der Deutschen Rossini Gesellschaft, deren Ehrenpräsident Alberto Zedda seit vielen Jahren ist.



I. Interview Deutsche Oper Berlin

2007 sprach Alberto Zedda mit Ulrich Amling und Frederik Hansen über Rossinis alchimistische Fähigkeiten und über die Freiheit der Interpretation ...

War der Künstler Rossini ein ernster Mensch?
Alberto Zedda: Rossini sagt das Schwierige in einfachen Worten. Er geht in die Tiefe, ohne dabei jemals die Bodenhaftung zu verlieren. So erscheint er als etwas einfältiger Komponist ohne große Ambitionen, harmonisch ganz anspruchslos. Und auch ohne einprägsame Melodien! Zeigen Sie mir tolle Melodien bei Rossini! Die Arien sind nicht auf einer wieder erkennbaren Melodie aufgebaut. Nehmen Sie die bekannteste aller Rossini-Nummern aus dem BARIER VON SEVILLA, die Auftrittsarie des Figaro »Largo al factotum«. (Singt) Dadidadadidadadidadadiiida! Was ist das? Zwei Noten, mehr nicht! Dann eine Tonleiter, ein hoher Ton. Und von vorne. Mit diesem Material komponiert einer die berühmteste Arie der Welt?! Da müssen Sie schon was drauf haben. Das ist wie mit Beethoven, der den ganzen Kopfsatz der fünften Sinfonie aus einem winzigen Motiv-Partikel entwickelt (singt wieder sehr schief und sehr begeistert). Das ist Genie! Vergesst Chopins Melodien – nein, hier zeigt sich die große Kunst! Das kommt nicht von Gott, das kommt aus perfekt beherrschtem Handwerk. Aus wenig viel zu machen, das Handwerk. Aus wenig viel zu machen, das können nur Meister. Rossini hat den Traum aller Alchimisten wahr werden lassen: er macht Gold aus einem Lehmklumpen.

Rossini auf einer Ebene mit Beethoven – ein gewagter Vergleich!
Natürlich bleibt da immer der Zweifel: Ist es nun tatsächlich tief empfunden oder vielleicht doch nicht? Da liegt das Geheimnis, das ich als Dirigent enthüllen will. Sie können sich mit der Oberfläche zufrieden geben und viel Spaß haben. Diese Musik scheint so einfach, so eingängig –und dann stellen Sie fest, dass dieselbe Musik für komische ebenso wie für ernste Szenen benutzt werden kann. Und Rossini hat vielfach vorgemacht, hat Arien und Szene aus einer opera comica in einer seria recycelt. In erster Linie geht es darum, wie Rossini die Teile zusammenfügt. Das funktioniert wie bei einem Mosaik: Mit ein und derselben Anzahl von Steinchen können sie ganz unterschiedliche Bilder herstellen. Rossinis Fähigkeit, mit einem Material Freude oder Schmerz, Jubel oder Verzweiflung ausdrücken zu können, hat kein anderer Komponist je wieder erreicht. Ich weiß nicht, ob das eine positive oder eine negative Eigenschaft ist. Aber was ich weiß ist, dass in dem Moment, wo diese Musik erklingt, plötzlich die jeweils angemessene Bedeutung da ist.

Wo liegt das Geheimnis?
Die Form ist überall gleich, die Harmonien sind simpel - aber der Rhythmus! Das ist kein Rhythmus im Sinne von Bach oder Vivaldi. Der Rhythmus lebt. Das ist mein Geheimnis als Rossini-Dirigent. Wenn Sie Rossini so dirigieren, wie es in der Partitur steht, dann ist er der langweiligste aller Komponisten. Idealerweise ist der Rhythmus bei Rossini ganz flexibel, wandelt sich stetig – obwohl die Schreibweise in der Partitur suggeriert, dass dies nicht erlaubt sei. Bei TRISTAN UND ISOLDE sollte man lieber nicht frei mit dem Rhythmus umgehen, aber bei Rossini braucht man einfach Fantasie, Kreativität. Ich sage meinen Sängern immer: Fühlt euch frei, improvisiert! Dann werdet ihr tausend tolle Überraschungen erleben, dann werdet ihr endlich verstehen, warum diese Musik sich so unglaublich verändern kann, mal traurig, mal heiter, mit denselben Noten. Wenn ihr der Theatersituation vertraut, der Bedeutung der Worte folgt, dann stellt sich genau das Gefühl ein, das ich in diesem Moment der Oper brauche.

Der wahre Rossini steht also nicht in den Noten?
Bravo! Sie haben’s verstanden! Schauen Sie sich die Koloraturen an. Auf dem Papier ist das nichts als schwarzer Fliegendreck. So lange haben die Menschen geglaubt, das seien Verzierungen, Ornamente. Nein, das ist die Sprache, das sind die wahren Worte, die hier gesprochen werden! Wenn Sie die Koloraturen wegschneiden, bleibt nichts übrig als ein Knochengerüst. Bei Verdi, bei Donizetti mag es Schmuckwerk sein – bei Rossini ist es die Sprache. Warum brauchen wir für Rossini Primadonnen? Nicht, weil sie die Noten besonders schnell oder besonders hoch singen können, sondern weil sie die Koloraturen gestalten. Die Musik ist wie ein Klumpen Ton, den man formen kann, und wenn Sie Michelangelo sind, wird ein David daraus. Denken Sie an das Ende des BARBIER VON SEVILLA: Drei Seiten Koloraturen, alle auf dem Buchstaben »A«, wie Vogelgesang (singt) – statt sich zu lieben, halten sich die Protagonisten stundenlang mit Schöngesang auf. In Wahrheit aber geht es um einen Zustand der Entrücktheit. Wie wollen Sie das mit Worten ausdrücken? Gibt es eine Melodie, die das einfangen könnte? Nein, in den Notenketten bricht sich das Gefühl Bahn, da wird es sinnlich, erotisch (singt wieder).

Dann muss die Suche nach der idealen Rossini-Besetzung ja ein Alptraum sein.
Ich kann Ihnen sagen: Heute ist es viel leichter als vor 30 Jahren. Denn die Studenten auf den Hochschulen lernen viel mehr als früher, sie werden nicht mehr nur auf Power, auf Stimmstärke trainiert, sondern zu wahren Sängern ausgebildet, die den Gehalt der Musik erfassen können. Für mein Repertoire ist das toll – für andere Werke natürlich ein Nachteil. Denn ich kenne nur einen einzigen Menschen, der elegante Beweglichkeit mit durchschlagender Kraft verbinden konnte: Cassius Clay.

Also ist es heute einfacher, Rossinis OTELLO zu besetzen als Verdis OTELLO.
Ja, leider. Denn eines kommt hinzu: Für einen Otello, für einen Tristan brauchen Sie nicht nur eine kräftige, sondern vor allem auch eine schöne, volle, aufblühende Stimme. Bei Rossini muss das nicht zwingend sein – wenn der Sänger intelligent ist. Natürlich ist es ein Vergnügen, einer Traumstimme wie der von Juan Diego Florez zuzuhören. Aber denken Sie an Rockwell Blake, den Tenor mit der hässlichsten Stimme, die man sich vorstellen kann – aber was konnte der zaubern, was konnte er alles aus den Noten herausholen!

Braucht man für eine Rossini-Oper mehr Proben als für andere Werke?
In der Tat braucht es viele Proben, um auf die Ebene der gemeinsamen Kreativität vorstoßen zu können. Beim Rossini-Festival in Pesaro geschieht nichts anderes als in anderen Opernhäusern der Welt, das Orchester hier an der Deutschen Oper beispielsweise ist sogar deutlich besser als die Ensembles, die uns dort zur Verfügung stehen– nur haben wir in Pesaro eben die Möglichkeit, uns ganz und gar auf die Werke zu konzentrieren. Das Ziel ist doch, etwas als natürlich erscheinen zu lassen, was eigentlich gar nicht natürlich ist. »La follie organisée« hat der Schriftsteller Stendhal das einmal genannt: einen organisierten Wahnsinn. Besser kann man es nicht ausdrücken. Alles muss aus dem Augenblick geboren scheinen.

Was bedeutet für Sie das Wort Belcanto?
Beim Belcanto haben Sie als Interpret das Recht darauf einzugreifen. Belcanto ist nicht nur bel canto, nicht nur schönes Singen, nein, belcanto, das wird in einem Wort geschrieben, weil es eine bestimmte Geisteshaltung meint, eine Form der offenen Komposition, die man variieren kann, bei der man Verzierungen und Kadenzen einfügt, wenn man das Bedürfnis hat, wenn einen die Interpretation dazu treibt. Weil es immer darum geht, die Rolle der eigenen Deutung anzupassen. Wir sagen: Accomodare la parte.

Accomodarsi bedeutet auch: Es sich bequem machen.
Ja, aber es geht nicht darum, wahllos etwas dazuzutun. Nein, es muss sich organisch aus dem Stil ergeben. Sonst würden Sie die Idee des Belcanto verraten. Da hat uns die Musikwissenschaft viel geholfen. Bei der Erarbeitung der kritischen Werkausgaben wurde mir klar, wie groß meine Freiheit ist – immer innerhalb des Gedankengebäudes des Belcanto.

Was ist für Sie das Moderne an Rossini?
Bei Puccini können Sie sich auf das Herz konzentrieren. Bei Rossini gibt es keine Privatgeschichten wie zwischen Mimì und Rodolfo in LA BOHÈME. Es geht bei ihm immer um Menschheitsgeschichte. Da wird nicht »Ich liebe Dich« gesagt – aber natürlich existiert Liebe, in der ganz großen, fatalen Dimension. Was Sie in Ihrem Zimmer tun, ist Ihre Sache. Aber Sie dürfen es bei Rossini nicht auf der Bühne tun. Das wäre zu banal. Es geht um die Wahrheitsfindung wie bei Dante, um die Straße zur Erleuchtung. Und doch kommt man nie zur finalen Erklärung bei Rossini, glauben Sie mir! TANCREDI kann auf zwei Arten enden. Das ist doch absurd. Aber man fühlt die Absurdität nicht, denn man glaubt den Personen, wenn sie ohne Worte singen, denn sie erklären damit Gefühle und Gedanken, die außerhalb des Normalen liegen. Rossini ist so ganz und gar losgelöst von psychologischer Struktur, das macht ihn so modern. Regisseure, die Rossini nach dem Libretto inszenieren wollen, müssen logischerweise scheitern. Man muss die Musik lieben, um seine Opern inszenieren zu können. Was als Schwäche des Textes erscheinen kann, löst sich auf in dem Moment, wenn die Musik hinzukommt.

Quelle: Internetseite der Deutschen Oper Berlin im Januar / Februar 2012


II. Interview "Das Opernglas" 2008

DER EXPERTE - ALBERTO ZEDDA
Dirigent, Musikwissenschaftler, Autor, Lehrer, künstlerischer Leiter und eine Instanz für Rossini
Wolfgang Kutzschbach traf den Maestro in Bozen

Herr Zedda, wodurch ist Ihr Interesse für Rossini erwacht?
Ich entdeckte Rossini mit der Erstellung der kritischen Edition von »Il barbiere di Siviglia«. Die Oper wird überall auf der Welt gespielt, und somit habe auch ich das Werk einmal dirigiert. Hierbei ist mir etwas Seltsames passiert: In den Vereinigten Staaten geriet ich mit den Oboisten nach dem Finale des ersten Aktes in einen Streit über Tempowahl und unspielbare Passagen. Obwohl es eine einfachere Alternativ-Version von Ricordi gab, hatte ich mit der Interpretation ein schlechtes Gewissen. Als ich etwas später in Bologna dirigierte, habe ich mich daran erinnert, und ich wusste auch, dass das Autograf des »Barbiere« in Bologna lag. Ich habe mir daher die Originalpartitur angesehen und verstanden, warum das damals nicht funktionieren konnte. Daraufhin habe ich mein Notenmaterial korrigiert und dies dem Ricordi-Verlag gezeigt. Dort war man entsetzt und hielt mich für verrückt. Es hätten doch alle Dirigenten, wie Toscanini, de Sabata oder Serafin diese Partitur verwendet. Schlussendlich verblieben wir so, dass ich eine Neuedition erstellen sollte, weil ich mit dem Problem am besten vertraut war.

Was fasziniert Sie an diesem Komponisten?
Seine Art, Theater zu machen. Sein Theater ist anders als das der Romantik, nicht phrasenhaft, sondern modern. Ich habe erkannt, dass Rossini nicht deshalb von den Spielplänen verschwunden war, weil er zu veraltet, sondern weil er zu modern war! Während in der Romantik Leidenschaften, Gefühle und menschliche Seelenzustände offen sichtbar werden, sind sie bei Rossini nicht zu erkennen. Er wollte nicht das Alltägliche, sondern das Großartige, Absolute. Verdi hat in einem Brief an seinen Freund Arrivabene geschrieben: „Ich verstehe, warum Rossini ein großer Komponist ist. Welcher Rhythmus, welche Energie, welche Präzision. Aber ich verstehe nicht, warum Rossini Opern komponiert hat.“ Für Verdi musste eine Oper von der menschlichen Seele erzählen.Verdi hatte von seinem Standpunkt aus Recht. Rossini wollte aber nicht das Menschliche in Emotionen vermitteln, er wollte die großen Gefühle der Menschheit ausdrücken. Nicht aus dem Blickwinkel des Menschen, sondern als würde Gott aus der Ferne die armseligen Menschen betrachten, wie sie lieben und sterben. Verdi bildet immer ein Urteil über die Personen, hier die Guten, hier die Bösen. Rossini tut das niemals, er nimmt nie Partei. Er komponiert die gleiche Leidenschaft für Assur wie für Semiramide und man erfährt nie, ob ihm Assur sympathisch ist oder nicht. Er erzählt die Geschichte, wie sie ist und urteilt nicht. Das ist eine sehr moderne Sicht.Genial bei Rossini ist auch der Rhythmus, der anders als bei allen anderen ist. Die Themen, die musikalische Entwicklung, all das ist nicht außergewöhnlich. Wenn man irgendeine Partitur Rossinis nimmt, so sind alle gleich, egal ob opera seria oder buffa. Aber obwohl immer dieselben wenigen Vokabeln verwendet werden, gleicht keine Oper der anderen. Das ist das Genie, das musikalische Phänomen. Anders als bei Verdi oder Puccini, wo die Musik auch dann begeistert, wenn weniger passende Sänger am Werk sind, funktioniert das bei Rossini nicht. Dann wird seine Musik langweilig, stupid und mechanisch. Daher benötigen wir entsprechende Interpreten.

Sie dirigieren in diesem Jahr in Pesaro das Eröffnungskonzert der Festspiele mit Juan Diego Flórez?
Ja, es hat das Motto „Die Geburt des romantischen Tenors“. Flórez hat »Guglielmo Tell« bis jetzt nur auf seiner Solo-CD gesungen, aber noch nie auf der Bühne. Er sollte auch noch nicht die ganze Partie an einem Opernhaus singen – dafür ist er noch zu jung – aber im Konzert ist es möglich, die tenoralen Glanzstücke zu singen.

Ein weiterer Schwerpunkt Ihrer Auftritte liegt seit Jahren beim Rossini-Festival in Bad Wildbad
…Es ist eine fantastische Geschichte mit diesem kleinen Ort. Dort herrscht eine unglaubliche Begeisterung für Rossini. Man arbeitet ohne Bezahlung, aber mit vollem Enthusiasmus. Dieses Jahr nehmen wir »L’Italiana in Algeri« auf. In der wunderbaren Atmosphäre kann man sehr ruhig arbeiten.


Wie wird die »L’Italiana« in Bad Wildbad?
Da gibt es kaum etwas, was außerhalb der üblichen Tradition liegt. Bei »La donna del lago« war es etwas anders. Ich versuche immer, die Rollen von Maria Colbran von einem Mezzosopran singen zu lassen, denn die Colbran war mehr Mezzosopran acuto als Sopran. Daher haben Sonia Ganassi in »Elisabetta, regina d’Inghilterra«, Joyce DiDonato in »Adina« oder »La donna del lago« gesungen. Die »L’Italiana« ist wenig problematisch, ist absolute Komik, die einzige wirklich komische Oper von Rossini.

Quelle: Internetseite der Zeitschrift "Opernglas" 2008. Das vollständige Interview ist abgedruckt in Heft 7/8.
 

III. Deutsche Rossini Gesellschaft (DRG):
"Der Rossinischen Musik die richtige Lebenskraft einzuflößen – darin besteht das einzigartige Verdienst des Musikwissenschaftlers, Autors, Lehrers und Dirigenten Alberto Zedda. Von 1980 bis 1992, den „goldenen Jahren” der Rossini Renaissance, ist er künstlerischer Berater des Rossini Opera Festivals in Pesaro. Er ist der „Kutscher eines feurigen Gespanns, der seinen Pferden mal freien Lauf lässt oder sie in engen Zügeln hält und damit in einem abwechslungsreichen Spannungsverhältnis für eine perfekte Fahrt sorgt” (Reto Müller). Wenn Zedda auf das Podium steigt, sprüht er vor jugendlicher Kraft, überträgt seine Begeisterung auf die Interpreten und lässt das Publikum aus dem Häuschen geraten. „Eigentlich sieht Alberto Zedda aus wie ein Komiker in einer Komödie von Eduardo de Filippo; aber wenn er mit ausladender plastischer Körpersprache Rossini dirigiert, dann explodiert der kleine hagere Mann förmlich. Man sieht: er ist in seinem Element”, schreibt Dieter Kranz." (DRG)
Ansprache vom 15. Januar 2011 in Gent
anlässlich der Jahreshauptversammlung der DRG:
Aus der Jahreszeitschrift der DRG "La Gazzetta":

Ernennung zum Ehrenpräsidenten der DRG:
"Leidenschaft und Begeisterung teilen"

 


7. Mai 2012

"Rossini in Wildbad" - Diskografie


Festival „Rossini in Wildbad"
Live auf CD / DVD

Ergänzt am 8. Oktober 2017

Das 1989 gegründete Festival "Rossini in Wildbad" ist im Laufe der Jahre wahrlich zum "Pesaro des Nordens" geworden. Aber nicht nur viele weitgehend unbekannte Werke Rossinis - darunter drei in Editionen der Deutschen Rossini Gesellschaft - wurden seitdem in Bad Wildbad aufgeführt, sondern auch Werke anderer, zu Unrecht vergessener Komponisten:  Giovanni Simone Mayr, Giacomo Meyerbeer, Peter von Winter u.a.. Viele dieser Ausgrabungen und Entdeckungen sind auf CD, einige auch auf DVD festgehalten. Dem Label Naxos und dem SWR ist es auch zu verdanken, dass der große Rossini-Kenner Alberto Zedda, künstlerischer Leiter des Rossini Opera Festivals in Pesaro und Ehrenpräsident der Deutschen Rossini Gesellschaft, endlich auch als Dirigent „seiner“ Opern angemessen dokumentiert ist. Geht man die Besetzungslisten durch, entdeckt man Aufnahmen aus der Anfangszeit der Karrieren von inzwischen im Belcantofach international gefragten Sängerinnen, Sängern und Dirigenten: Alessandro De Marchi, Pavol Breslik, Olga Peretyatko, Luca Salsi, Jessica Pratt, Michael Spyres u. a.. Aber auch bereits arrivierte Künstler - unter den Dirigenten auch Richard Bonynge und Gabriele Bellini - ließen und lassen sich für Aufführungen in Bad Wildbad begeistern, insbesondere wenn Alberto Zedda dirigiert: z. B. Joyce DiDonato, Lawrence Brownlee, Sonia Ganassi, Marianna Pizzolato, Lorenzo Regazzo, Bruno de Simone. Ich hoffe, diese Diskografie noch um viele Veröffentlichungen erweitern zu können! Die YouTube-Videos sind Mitschnitte aus Bad Wildbad.

Antonino Fogliani: Zehn Jahre Rossini-Dirigent in Bad Wildbad

Die bisher erschienenen Aufnahmen (CDs, soweit nicht anders angegeben), 
geordnet nach dem jeweiligen Aufführungsjahr:


neu!!! 2016 - Gioachino Rossini, Sigismondo - Antonino Fogliani; Margarita Gritskova,Marcell Bakonyi, Maria Aleida, Kenneth Tarver, Paula Sánchez-Valverde, Sésar Arrieta; Camerata Bach Chor Poznan; Virtuosi Brunenses (Naxos)

neu!!! 2016 - Vincenzo Bellini, Bianca e Gernando - Antonino Fogliani; Silvia Dalla Benetta, Maxim Mironow, Luca Dall'Amico, Vittorio Prato, Zong Shi, Marina Viotti, Georghe Vlad, Mar Campo; Camerata Bach Chor Poznan; Virtuosi Brunenses (Naxos)

neu!!! 2016 - Gioachino Rossini, Sigismondo - Antonino Fogliani; Margarita Gritskova, Marcell Bakonyi, Maria Aleida, Kenneth Tarver, Paula Sánchez-Valverde, César Arrieta; Camerata Bach Chor Poznan; Virtuosi Brunenses (Naxos)

neu!!! 2015 - Gioachino Rossini, Bianca e Falliero - Antonino Fogliani; Laurent Kubla, Kenneth Tarver, Baurzhan Anderzhanov, Victoria Yarovaya, Cinzia Forte, Marina Viotti, Artavazd Sargsyan; Camerata Bach Chor Posen; Virtuosi Brunenes (Naxos)

2015 - DVD Gioachino Rossini, L'inganno felice - Antonino Fogliani; Artavazd Sargsyan, Silvia Dalla Benetta, Baurzhan Anderzhanov, Tiziano Bracci, Lorenzo Regazzo; Virtuosi Brunenses (Dynamic)

neu!!! 2014 - Gioachino Rossini, Adelaide di Borgogna - Luciano Acocella; Margarita Gritskova, Ekaterina Sadovnikova, Baurzhan Anderzhanov, Gheorghe Vlad, Miriam Zubieta, Yasushi Watanabe, Cornelius Lewenberg; Camerata Bach Chor Posen; Virtuosi Brunenses (Naxos)

2014 - Gioachino Rossini, Il viaggio a Reims - Antonino Fogliani; Laura Giordano, Marianna Pizzolato, Sofia Mchedlishvili, Alessandra Marianelli, Bogdan Mihai, Maxim Mironov, Mirco Palazzi, Bruno de Simone, Bruno Praticò, Gezim Myshketa, Baurzhan Anderzhanov, Carlos Cardoso, Guiomar Cantò, Olesya Berman Chuprinova, Annalisa D'Agosto, Artavazd Sargsyan, Lucas Somoza Osterc, Yasushi Watanabe; Camerata Bach Chor Posen; Virtuosi Brunenses (Naxos)

2013 - DVD Gioachino Rossini, Guillaume Tell (Bongiovanni)
2013 - CDs  Gioachino Rossini, Guillaume Tell (Naxos) - Antonino Fogliani; Andrew Foster-Williams, Michael Spyres, Nahuel Di Piero, Judith Howarth, Tara Stafford, Raffaele Facciolà, Giulio Pelligra, Artavazd Sargsyan, Marco Filippo Romano, Alessandra Volpe; Camerata Bach Chor Posen, Virtuosi Brunensis - (Spieldauer 4:12:21 - Der komplette Tell!) 

2012 - Saverio Mercadante, I briganti - Antonino Fogliani; Bruno Praticò, Maxim Mironov, Vittorio Prato, Petya Ivanova, Rosa Fiocco, Atanas Mladenov, Jesùs Ayllón; Camerata Bach Chor Posen; Virtuosi Brunenses (Naxos)

2012 - Gioachino Rossini, Semiramide - Antonino Fogliani; Alex Penda, Marianna Pizzolato, Lorenzo Regazzo, John Osborn, Andrea Mastroni, Marija Jokovic, Vassilis Kavayas, Raffaele Facciolà; Camerata Bach Chor Posen; Virtuosi Brunenses (Naxos)

2011 - Gioachino Rossini, Stabat mater / Kantate "Giovanna d'Arco"Antonino Fogliani; Majella Cullagh, Marianna Pizzolato, Jose Luis Sola, Mirco Palazzi, Camerata Bach Choir Poznan, Württembergische Philharmonie Reutlingen (Naxos)

2011 - Stefano Pavesi, Ser Marcantonio - Massimo Spadano; Marco Filippo Romano, Loriana Castellano, Matteo D'Apolito, Timur Bekbosunov, Silvia Beltrami, Svetlana Smolentseva, Massimiliano Silvestri; Camerata Bach Chor Posen, Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim (Naxos)



2010 - Gioachino Rossini, Le Siège de Corinthe - Jean-Luc Tingaud; Lorenzo Regazzo, Majella Cullagh, Michael Spyres, Marc Sala, Matthieu Lécroart, Gustavo Quaresma Ramos, Marco Filippo Romano, Silvia Beltrami; Camerata Bach Chor Posen; Virtuosi Brunenses (Naxos)

2010 - Pietro Generali, Adelina - Giovanni Battista Rigon; Dusica Bijelic, Gabriele Nani, Elier Muñoz, Silvia Beltrami, Gustavo Quaresma Ramos, Ugo Rabec, Patrick Schneider; Virtuosi Brunensis (Naxos) 

2009 - Gioachino Rossini, La gazza ladra - Alberto Zedda; Giulio Mastrototaro, Luisa Islam-Ali-Zade, Kenneth Tarver, Maria José Moreno, Bruno Praticò, Lorenzo Regazzo, Mariana Rewerski, Stefan Cifolelli, Pablo Cameselle, Maurizio Lo Piccolo, Damian Whiteley; Classica Chamber Chor; Virtuosi Brunensis (Naxos)

2009 - Nicola Vaccaj, La sposa di Messina - Antonino Fogliani; Jessica Pratt, Filippo Adami, Armando Ariostini, Wakako Ono, Maurizio Lo Piccolo; Classica Kammerchor Brno; Virtuosi Brunenses - Nach "Die Braut von Messina" von Friedrich Schiller (Naxos)



2008 - Gioachino Rossini, Otello - Antonino Fogliani; Michael Spyres, Jessica Pratt, Ugo Guagliardo, Filippo Adami, Giorgio Trucco, Geraldine Chauvet, Sean Spyres, Hugo Colin, Leonardo Cortellazzi; Philharmonischer Chor Transilvania Cluj; Virtuosi Brunenses (Naxos)



2008 - Giovanni Pacini, Il convitato di pietra - Daniele Ferrari; Leonardo Cortellazzi, Geraldine Chauvet, Zinovia-Maria Zafeiriadou, Ugo Guagliardo, Giorgio Trucco, Giulio Mastrototaro, Kornelia Gocalek, Patrick Wurzel; Philharmonischer Chor Transilvania Cluj; Südwestdeutsches Kammerorchester Pforzheim (Naxos) - "Der steinerne Gast" hat in etwa die gleiche Handlung wie Mozarts "Don Giovanni". Die Oper mit durchaus anspruchsvollen Partien - die Partie des Don Giovanni erfordert z. B. einen sehr hohen Tenor à la Rossini, die umfangreiche Rolle der Zerlina einen großen Stimmumfang und ausgezeichnete Koloraturtechnik - wurde vom Komponisten für seine Familienmitglieder geschrieben und war für private Aufführungszwecke gedacht.


2008 - Gioachino Rossini, L’italiana in Algeri - Alberto Zedda; Marianna Pizzolato, Lawrence Brownlee, Lorenzo Regazzo, Bruno De Simone, Giulio Mastrototaro, Ruth Gonzales, Elsa Giannoulidou; Philharmonischer Chor Transilvania Cluj; Virtuosi Brunenses (Naxos)



2007 - Saverio Mercadante, Don Chisciotte alle nozze di Gamaccio - Antonino Fogliani; Ugo Guagliardo, Domenico Colaianni, Laura Catrani, Ricardo Mirabelli, Hans Ever, Giulio Mastrototaro, Marisa Bove, Filippo Polinelli; Chor des Conservatorio San Pietro e Majella, Neapel; Tschechische Kammersolisten Brno (Naxos).

2007 - Gioachino Rossini, La gazzetta - Christopher Franklin; Marco Cristarella Orestano, Michael Spyres, Judith Gauthier, Giulio Mastrototaro, Vincenzo Bruzzaniti, Rossella Bevaqua, Maria Soulis, Filippo Polinelli, Emanuele Capissi; Chor des Conservatorio San Pietro e Majella, Neapel; Tschechische Kammersolisten Brno (Naxos) - In dieser Oper geht es um Irrungen und Wirrungen infolge einer heimlich vom Vater aufgegebenen Heiratsannonce.



2006 - DVD Michele Carafa, I due Figaro - Brad Cohen; Carmine Monaco, Simon Bailey, Eunshil Kim, Giorgio Trucco, Cinzia Rizzone, Rosella Bevaqua, Vittorio Prato, Giuseppe Fedeli, Alessio D'Aniello; Chor des Conservatorio San Pietro e Majella, Neapel; Württembergische Philharmonie Reutlingen (Bongiovanni) - s. auch den Beitrag hier im Blog

2006 - Gioachino Rossini, La cambiale di matrimonio - CD und DVD - Christopher Franklin; Vito Priante, Julija Samsonova, Daniele Zanfardino, Giulio Mastrototaro, Francesca Russo Ermolli, Tomasz Wija; Württembergische Philharmonie Reutlingen (CD: Naxos / DVD: Bongiovanni)

2006 - Gioachino Rossini, La donna del lago – Alberto Zedda; Sonia Ganassi, Marianna Pizzolato, Maxim Mironov, Ferdinand von Bothmer, Wojtek Gierlach, Olga Peretyatko, Stefan Cifolelli; Prager Kammerchor; Banda festiva Tübingen; SWR Rundfunkorchester Kaiserslautern (konzertante Aufführung für die CD-Produktion im November 2006) (Naxos)

2006 - Gioachino Rossini, Mosè in Egitto – Antonino Fogliani; Lorenzo Regazzo, Akie Amou, Wojtek Gierlach, Filippo Adami, Rossella Bevaqua, Giorgio Trucco, Karen Bandelow, Giuseppe Fedeli; Chor des Conservatorio San Pietro e Majella, Neapel; Württembergische Philharmonie Reutlingen  (Naxos)

2005 - Giacomo Meyerbeer, Semiramide – Richard Bonynge; Deborah Riedel, Filippo Adami, Fiona Jones, Wojtek Gierlach, Olga Peretyatko, Leonardo Silva; Rossini-Chor Altensteig; Württembergische Philharmonie Reutlingen (Naxos) – Diese Oper aus Meyerbeers italienischer Zeit hat eine andere Episode aus dem Leben der Königin Semiramis zum Gegenstand als Rossinis gleichnamige Oper.

2005 - Gioachino Rossini, L'occasione fa il ladro - Antonino Fogliani; Elizaveta Martirosyan, Fanie Antonelou, Jessica Lorenz-Held, Mauro Utzeri, Gardar Thór Cortes, Gianpiero Ruggeri, Hartmut Held, Joan Ribalta; Württembergische Philharmonie Reutlingen (Naxos)



2005 - Gioachino Rossini, L'inganno felice - Alberto Zedda; Kenneth Tarver, Corinna Mologni, Simon Bailey, Marco Vinco, Lorenzo Regazzo; Tschechische Kammersolisten Brno (Wiedereröffnung des Kurtheaters am 1. Juli 2005) (Naxos)

2004 - Johann Simon (Giovanni Simone) Mayr, L’amor coniugale – Christopher Franklin; Cinzia Rizzone, Francescantonio Bille, Tatjana Charalgina, Dariusz Machej, Giovanni Bellavia, Bradley Trammell;Württembergische Philharmonie Reutlingen (Naxos) – Diese 1805 entstandene „Befreiungs“-Oper basiert auf der gleichen Vorlage wie Beethovens Leonore/Fidelio.

2004 - Gioachino Rossini, La Cenerentola – Alberto Zedda; Joyce DiDonato, José Manuel Zapata, Bruno Praticò, Paolo Bordogna, Luca Pisaroni, Patricia Cigna, Martina Borst; Prager Kammerchor; SWR Rundfunkorchester Kaiserslautern  (konzertante Aufführung für die CD-Produktion im November 2004) (Naxos)

2004 - Gioachino Rossini, Ciro in Babilonia – Antonino Fogliani; Riccardo Botta, Anna Rita Gemmabella, Luisa Islam-Ali-Zade, Maria Soulis, Wojciech Gierlach, Giorgio Trucco, Giovanni Bellavia; Kammerchor Ars Brunensis; Württembergische Philharmonie Reutlingen (Naxos) - Es geht hier (wie bei Händels Belsazar) um die biblischen Gestalten Belsazar (Baldassare) und den Perserkönig Cyrus (Ciro), - aber eher nur als Hintergrund für eine Geschichte um eine treue und standhafte Ehefrau.

2003 - Gioachino Rossini, Torvaldo e Dorliska – Alessandro De Marchi; Huw Rhys-Evans, Paola Cigna, Mauro Utzeri, Michele Bianchini, Anna Rita Gemmabella, Giovanni Bellavia; Kammerchor Ars Brunensis; Tschechische Kammersolisten Brno (Naxos)



2003 - Luigi Mosca, L’italiana in Algeri – Brad Cohen; Wojciech Gierlach, Agata Bienkowska, Donat Havar, Christian Senn Vasquez, Asa Fanney Gestsdottir, Florian Mock, Anna Markovska; Kammerchor Ars Brunensis; Tschechische Kammersolisten Brno (Bongiovanni) – Moscas „L’italiana in Algeri“ (1808) und die von Rossini (1813) haben eines gemeinsam: das Libretto von Angelo Anelli.

2002 - Peter von Winter, Maometto - il fanatismo – Gabriele Bellini; Sebastian Na, Maria Luigia Borsi, Antonio de Gobbi, Luca Salsi, Cesare Ruta, Gloria Montanari; Tschechischer Philharmonischer Chor Brno; Tschechische Kammersolisten Brno (Marco Polo) – Diese 1817 an der Scala di Milano uraufgeführte Oper basiert auf Voltaires Tragödie von 1736 („Mahomet ou Le Fanatisme“) und handelt von der Belagerung Mekkas durch den Propheten Mohammed, während Rossinis „Maometto Secondo“ ein türkischer Sultan im Kampf der Ottomanen gegen die Venezianer einige Jahrhunderte später ist.

2002 - Gioachino Rossini, Maometto Secondo – Brad Cohen; Denis Sedov, Anna Rita Gemmabella, Luisa Islam-Ali-Zade, Massimiliano Barbolini, Antonio de Gobbi, Cesare Ruta; Tschechischer Philharmonischer Chor Brno; Tschechische Kammersolisten Brno (Naxos) – Version für Venedig 1822: Nicht die Türken siegen wie in der Fassung der Uraufführung, sondern – natürlich – die Venezianer, und es gibt ein Happy-End mit dem Finalrondo aus „La donna del lago“.

2002 - Gioachino Rossini, Le Comte Ory – Brad Cohen; Huw Rhys-Evans, Luca Salsi, Wojtek Gierlach, Linda Gerrard, Gloria Montanari, Luisa Islam-Ali-Zade, Sofia Soloviy; Tschechischer Philharmonischer Chor Brno; Tschechische Kammersolisten Brno (Naxos)










2001 - Gioachino Rossini, La pietra del paragone – Alessandro De Marchi; Agata Bienkowska, Anna Rita Gemmabella, Anke Herrmann, Raffaele Costantini, Alessandro Codeluppi, Dariusz Machej, Gioacchino Zarrelli; Tschechischer Kammerchor; Tschechische Kammersolisten (Naxos)

2001 - Johann Simon (Giovanni Simone) Mayr (attrib.), Verter – Paul Terracini; Anna Rita Gemmabella, Anke Herrmann, Davide Cicchetti, Pavol Brslik (= Pavol Breslik), Luca Salsi, Gioacchino Zarrelli; Tschechische Kammersolisten (Bongiovanni) – Eine sehr freie Bearbeitung des  Werther-Stoffes. Hier streiten sich die Musikwissenschaftler noch, ob diese Oper nicht vielleicht doch von Vincenzo Pucitta stammt.

2001 - Gioachino Rossini, Messa di Lugo / Vespro Lughese (Edition: Deutsche Rossini Gesellschaft) – Gabriele Bellini; Eibe Möhlmann, Cosmina Cordun, Pavol Brslik (= Pavol Breslik), Giovanni Botta, Teru Yoshihara, Dariusz Machej; Tschechischer Kammerchor; Tschechische Kammersolisten Brno (Anm.: Im Booklet ist nicht angegeben, welcher Tenor welches Tenorsolo singt; laut Programmheft war Giovanni Botta Tenor 1 und Pavol Breslik Tenor 2. Von mindestens einem Tenorsolo, das im Konzert der Tenor 1 gesungen hat, sind - unter einem anderen Dirigenten, da Gabriele Bellini bereits abgereist war - Nachaufnahmen gemacht worden. Ich habe selbst miterlebt, wie Pavol Breslik und Brad Cohen in der Masterclass von William Matteuzzi erschienen und dort eins der Tenorsoli - ich meine, es war "Qui tollis peccata mundi" - geprobt wurde, und habe mich dann entsprechend erkundigt). Bonus: Matthias Rexroth singt Arien aus der Messa di Milano (Bad Wildbad 1999) - Marc Andreae; Tschechischer Kammerchor; Stuttgarter Philharmoniker (Bongiovanni)

2000 - Gioachino Rossini, L’equivoco stravagante
(Edition: Deutsche Rossini Gesellschaft) – Alberto Zedda; Petia Petrova, Marco di Felice, Marco Vinco, Dario Schmunck, Monica Minarelli, Eduardo Santamaria; – Diese 1811 in Bologna uraufgeführte Oper wurde nach drei Vorstellungen von der Zensur verboten, die den Stoff zu anrüchig fand, - es geht um einen ziemlich emanzipierten „Blaustrumpf“ namens Ernestina, die über die Liebe und die Trennung von Geist und Körper philosophiert und gar als verkleideter „musico“ denunziert und wegen Fahnenflucht verhaftet wird, - „musico“ ist hier im Sinne von Kastrat zu verstehen.

1999 - Gioachino Rossini, Elisabetta – Regina d’Inghilterra – Herbert Handt; Inga Balabanova, Akie Amou, Agata Bienkowska, Harald Quaden, Mario Zeffiri, Seung-Hee Park; Tschechischer Kammerchor; Stuttgarter Philharmoniker (Bongiovanni)


1998 - Gioachino Rossini, Matilde di Shabran – Francesco Corti; Akie Amou, Thomas Ruf, Ricardo Bernal, Noé Colin, Gioacchino Zarrelli, Maurizio Leoni, Agata Bienkowska, Roswitha Grabmeier Müller, Pavel Baxa; Tschechischer Kammerchor; I Virtuosi di Praga (Bongiovanni)



1998 - Gioachino Rossini, Messa di gloria / Tantum ergo - Handt; Acosta, Baxa, Matteuzzi, Stamboglis, Zeffiri; Tschechischer Kammerchor, I Virtuosi di Praga (Hänssler)

1997 - Gioachino Rossini, Il vero omaggio (Kantate) / Il pianto delle muse in morte di Lord Byron – Herbert Handt; Tatjana Korovina, Angelo Manzotti, William Matteuzzi, Hernan Iturralde; Tschechischer Kammerchor; I Virtuosi di Praga (Bongiovanni)

1997 - Gioachino Rossini, Eduardo e Cristina (Edition: Deutsche Rossini Gesellschaft) - Francesco Corti; Omar Jara, Carmen Acosta, Eliseda Dumitru, Konstantin Gorny, Jorge Orlando Gomez; Tschechischer Kammerchor; I Virtuosi di Praga (Bongiovanni)

1996 - Gioachino Rossini, Aureliano in Palmira - Corti; Alnicolli, Canis, George, Korovina, Manzotti, Ordoneau; Tschechischer Kammerchor; I Virtuosi di Praga (Bongiovanni)





1996 - Gioachino Rossini, Le nozze di Teti e di Peleo (Kantate) / Omaggio umiliato a Sua Maestà (Ballettmusik) - Andreae; George, Korovina, Lopera, Malta, Schäfer; Virtuosi di Praga (Hänssler)

1995 - Gioachino Rossini, Sigismondo – Marc Andreae; Carmen Oprisanu, Tatjana Korovina, Omar Jara, Vladimir Prudnikov, Cornelia Müller, Young-Chan Kim; Prager Männerchor; Stuttgarter Kammerorchester (Crossroads Records)

1992 - Gioachino Rossini, Soirée musicale (Kantaten: Egle ed Irene/ Dalle quiete e palli d'ombre / Aurora; Trois choeurs religieux u.a.) - Galcgoczy-Mecher, Moon-Sook Park, Pfeiffer, Mende, Schork; Korth (Piano) - (ebs records)