8. Mai 2015

Opernboom im Internet? Auf "The Opera Platform" bieten fünfzehn europäische Opernhäuser kostenloses Live-Streaming!

Waren bisher einzelne Opernhäuser - so insbesondere die Bayerische Staatsoper in München, die Opéra Royal de Wallonie in Liège (Lüttich) und das Teatro Carlo Felice in Genua - verdienstvolle Vorreiter in Sachen kostenloses Live-Streaming, startet nun heute Abend im Internet "The Opera Platform", ein Projekt, an dem sich fünfzehn europäische Opernhäuser beteiligen (und vielleicht werden es ja noch mehr werden...).

Die Opernplattform ist eine Initiative von Opera Europa, einem 155 Opern und Festspiele umfassenden Netzwerk, und wurde in Partnerschaft mit ARTE im Rahmen des European Opera Digital Project (EODP) entwickelt, das vom Programm Kreatives Europa der Europäischen Kommission finanziert wird. Der Inhalt für diese Plattform wird von den fünfzehn Projektpartnern gestellt. Weitere Beiträge kommen von anderen Mitgliedsorganisationen von Opera Europa.

Das Angebot soll im Schnitt eine komplette Aufführung aus einem der fünfzehn Partnerhäuser pro Monat umfassen. Die Opern werden in sechs Sprachen untertitelt. 

Heute Abend hat nun das Projekt Premiere mit Verdis "La Traviata" aus dem Teatro Real Madrid. Allerdings streamt zeitgleich das Teatro Carlo Felice Genua eine durchaus interessant besetzte "Carmen", - man hat also sogar die Qual der Wahl. Oder einfach gerade keine Zeit? Die Streams bei "The Opera Platform" bleiben sechs Monate lang kostenlos on demand abrufbar.

Bereits am 16. Mai steht die nächste Übertragung auf dem Programm: "Król Roger" von Szymanowski aus dem Royal Opera House Covent Garden London.

Angaben zur Besetzung und Links zum Stream jeweils hier im Blog auf der Seite Opernsendungen aktuell und auf  Facebook..

Und dies sind die beteiligten Opernhäuser:

  

28. Juli 2014

ROSSINI IN WILDBAD 2014 - Resümee und Internationaler Belcantopreis


Wiedereröffnung Kgl. Kurtheater Wildbad:   Video 1 / Video 2

Das 26. Festival ROSSINI IN WILDBAD – Ein Resümee von Jochen Schönleber

Bad Wildbad – Mit einer hochklassigen, konzertanten Aufführung von Francesco Morlacchis Tebaldo e Isolina ging am Sonntag, 27. Juli, das Festival ROSSINI IN WILDBAD zu Ende. Eines der wichtigsten  Opernfestivals Deutschlands bot innerhalb von 20 Tagen insgesamt 22 Konzerte und Opern. Die Anzahl der beteiligten Künstler in diesem Jahr übertraf alle bisherigen Jahre durch die äußerst zahlreichen Rollen im zentralen Stück Il viaggio a Reims. 120 Gesangs- und Instrumentalsolisten, inklusive Korrepetition, Masterclassteilnehmern, Chor- und Orchestermitgliedern ließen das Festival schier überquellen von jungen Künstler aus aller Herren Länder.

Das Festival verzeichnete 6.221 Besucher insgesamt. Am stärksten nachgefragt war in diesem Jahr Il viaggio a Reims, sowohl in der szenischen wie auch in der konzertanten Produktion. Die Raritäten Adelaide die Borgogna und Tebaldo e Isolina blieben anfangs hinter den Erwartungen zurück. Das Interesse an Adelaide di Borgogna zog nach der erfolgreichen Premiere stark an, so dass am Ende eine befriedigende Belegung zu verzeichnen war. Besonders beliebt waren die Konzerte der vier Masterclasses, die mehr als ausgebucht waren.

Eine Besonderheit stellte das sehr positiv aufgenommene Eröffungswochenende des im neuen Glanz erstrahlenden Kurtheaters im Vorfeld des Belcanto Opera Festivals dar. Mit der konzertanten Aufführung von Gioachino Rossinis Il viaggio a Reims feierte das Königliche Kurtheater sein 150-jähriges Bestehen. Nach den jahrelangen Renovierungsarbeiten stehen damit neben der Trinkhalle und dem Forum König-Karls-Bad drei Spielstätten zur Verfügung. Insgesamt wurden drei Opern aufgeführt: Il viaggio a Reims, in einer szenischen und konzertanten Produktion, letztere wurde vom SWR für eine  CD-Produktion aufgenommen. Außerdem präsentierte ROSSINI IN WILDBAD die deutsche Erstaufführung von Rossinis Adelaide di Borgogna in einer Neuausgabe. Diese wurde bereits vom Deutschlandradio übertragen und ist zudem für eine Veröffentlichung vorgesehen. Auch Tebaldo e Isolina vom Dresdner Hofkapellmeister Franceso Morlacchi wurde für eine CD-Veröffentlichung mitgeschnitten. Die zeitgenössische Musik erhielt eine besondere Würdigung durch das Portraitkonzert von Adriana Hölszky, für das sie zwei Uraufführungen speziell für ROSSINI IN WILDBAD komponierte.

Auch in dieser Festivalsaison glänzten die jungen Nachwuchssängerinnen- und -sänger, für die Bad Wildbad schon oft den Ausgangspunkt einer internationalen Karriere darstellte. Weltweit etablierte Künstler wie Michael Spyres in zwei Konzerten Hommage à Adolphe Nourrit, dem legendären Tenor zur Rossini Zeit, und Laura Polverelli in der Hosenrolle in Tebaldo e Isolina verliehen dem Festival ein markantes sängerisches Profil und wurden vom Publikum gefeiert.

Die vier aus den Masterclasses der Akademie BelCanto, unter der Leitung von Raúl Giménez und Lorenzo Regazzo hervorgegangenen Konzerte erhielten überwältigenden Zuspruch. Der Internationale Belcanto Preis (INTERNATIONAL BELCANTO PRIZE) ging an die 24-jährige Sofia Mchedlishvili, die bereits im Jahr 2012 von ROSSINI IN WILDBAD zur Akademie BelCanto eingeladen wurde und in der konzertanten wie in der szenischen Produktion von Il viaggio a Reims in der Rolle der Contessa di Folleville zu bewundern war.

Festivalintendant und Künstlerischer Leiter von ROSSINI IN WILDBAD, Jochen Schönleber, zeigte sich höchst zufrieden mit dem Verlauf und der Resonanz des Festivals: „Nach dem einzigartigen Höhepunkt im Jubiläumsjahr 2013 mit Guillaume Tell, als längste Rossini Oper, ist es uns 2014 gelungen, nicht weniger als 18 Solistinnen und Solisten in der Produktion von Il viaggio a Reims in Bad Wildbad zu vereinen. Die personenreichste Oper Rossinis wurde in Bad Wildbad gleich in zwei Besetzungen aufgeführt. Außerdem haben wir mit den Raritäten Adelaide di Borgogna und Tebaldo e Isolina weitgehend unbekannte Schätze gehoben.“

Als Besonderheit der kommenden Festivalsaison ist eine weitere attraktive Ausgrabung in der Planung: Peter Joseph von Lindpaintner, Württembergischer Hochkapellmeister in Stuttgart, schrieb seineSizilianische Vesper bereits 1843, die somit weit vor Verdis bekannter gleichnamiger Oper komponiert und aufgeführt wurde.

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Vergabe des Internationalen Belcanto Preises an Sofia Mchedlishvili

Die Mitglieder der Masterclass stellen sich vor:


Das 26. Festival ROSSINI IN WILDBAD ist zu Ende gegangen und damit auch die diesjährige Akademie BelCanto. Am Samstag, den 26. Juli durften sich die Nachwuchstalente ein letztes Mal im Kurtheater beweisen und gaben ihr Können in Duetten und Ensembles zum Besten.



Der Internationale Belcanto Preis, der durch eine Spende der schweizerischen Stiftung Classicprobono mit 1000 Euro dotiert ist, ging an die 24 Jahre junge georgische Sängerin Sofia Mchedlishvili. Sie erhält darüber hinaus ein Rollenangebot für das nächste Festivaljahr. Mchedlishvili wurde bereits im Jahr 2012 von ROSSINI IN WILDBAD als Stipendiatin zur Akademie BelCanto eingeladen und konnte sich so hervorragend auf das italienische Repertoire vorbereiten. Seit letztem Jahr ist sie Mitglied der Accademia della Scala, Mailand.


In seiner Rede erwähnte der Intendant Jochen Schönleber das sehr hohe Niveau der Masterclasses und lobte das positive Miteinander der Künstler untereinander. Die Publikumspreise per Applaus gingen an die Baritone Matija Meić, Lucas Somoza Osterc, die Sopranistin Miriam Zubieta und die Tenöre Carlos Cardoso und Artavazd Sargsyan. Ein besonderes Lob sprach Jochen Schönleber an die Sopranistin Alessandra Contaldo und an Graziano Dallavalle aus. Mit den jungen Sängerinnen und Sängern arbeiteten Raúl Giménez, Lorenzo Regazzo und Bruno Praticò, allesamt international anerkannte Spezialisten des Belcanto. Die Teilnehmer der diesjährigen Masterclasses gaben nicht nur Konzerte im Kurtheater, sondern standen auch bei den szenischen Opernproduktionen auf der Bühne.

Der Internationale Belcanto Preis, den schon etliche heute prominente Sängerinnen und Sänger wie Agata Bienkowska, Pavol Brslik, Olga Peretyatko oder Serena Malfi erhielten, wird seit 1998 vergeben.

Texte: Pressemitteilungen ROSSINI IN WILDBAD


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Festival-Rezensionen in der Presseschau


27. Juli 2014

YouTube greift durch - Ein herber Verlust für Rossinifreunde!

(Zum Vergrößern bitte ins Bild klicken)
Kaum entdeckt und schon wieder weg! Die Freude währte nicht lang!

Bei YouTube hatte ein Rossinifan Unmengen von Videos mit Gesamtaufnahmen von Rossini-Opern ins Netz gestellt, es waren an die 140 Videos. Für Rossinianer ein wahrer Schatz, über den ich eigentlich in diesem Post berichten wollte! Wie eine erste Durchsicht gezeigt hatte, waren zwar auch viele Videos dabei, die andernorts bei YouTube zu finden sind (oder waren?), aber ein Kanal nur mit Rossinivideos war doch schon eine feine übersichtliche Angelegenheit. Klickt man aber jetzt auf den Link 
erscheint nur noch die obige Löschungsmeldung. Eine Ergänzung und Aktualisierung meines Rossini-Opernführers hat sich somit leider erübrigt. 


Der im Internet live gestreamte Münchener Tell war auch dabei gewesen, war aber umgehend wieder verschwunden; da dürfte die Bayerische Staatsoper zu Recht auf ihr Urheberrecht gepocht haben. Nun sind offenbar weitere Urheberrechtsbeschwerden eingegangen - in der Löschungsmeldung ist die Met genannt - und YouTube hat den ganzen Kanal mit sämtlichen Videos gelöscht, wie das ja mit den Videos von Coloraturafan vorübergehend auch geschehen war (über das ständige Hin und Her habe ich seinerzeit ausführlich hier berichtet). Vielleicht kommt ja irgendwann auch der Kanal Gioacchino Rossini mit dann nur noch unbeanstandeten Videos wieder? Schön wäre es!

Wer - wie ich -  wegen der besseren Tonqualität die Radioübertragung von Rossinis "Guillaume Tell" aus München dem Livestream im Internet vorgezogen hatte, kann sich einen Eindruck von der umstrittenen Inszenierung (nur) noch mit dem offiziellen (und durchaus erfreulich ausführlichen) Trailer der Bayerischen Staatsoper verschaffen:

Rossini - Guillaume Tell -  Bayerische Staatsoper Juni 2014

Außerdem gibt es im YouTube-Kanal der Bayerischen Staatsoper
vier weitere Videos mit Szenen aus "Guillaume Tell"

Rezensionen zur Premiere in der Presseschau

24. Juli 2014

Seltener Operngenuss beim Belcantofestival "Rossini in Wildbad": Morlacchis "Tebaldo e Isolina"





Pressemitteilung

TEBALDO E ISOLINA
Francesco Morlacchi
So. 27.07.2014, 15.00 Uhr
Kulturzentrum Trinkhalle, Bad Wildbad

Am 27. Juli garantiert ROSSINI IN WILDBAD mit der konzertanten Aufführung von Tebaldo e Isolina einen besonderen musikalischen Genuss.

Das Belcanto Opera Festival im Schwarzwald hat sich auch in diesem Jahr der Wiederbelebung von musikalischen Kostbarkeiten verschrieben. Neben der selten aufgeführten Oper Adelaide di Borgogna wird auch Francesco Morlacchis romantisches Melodram Musikliebhabern wieder zugänglich gemacht. Zu Zeiten Morlacchis war die im mitteldeutschen Altenburg spielende Oper um die verliebten Sprösslinge zweier verfeindeter Familien ein großer Erfolg und galt als Gegenstück zu Rossinis Zelmira, in späteren Jahren geriet die Oper immer mehr in Vergessenheit.

Morlacchi schrieb die Rolle Tebaldos dem Kastraten Giovanni Battista Velluti auf den Leib, der diese Rolle zu seiner Paraderolle machte und selbst Rossinis Arsace aus Aureliano in Palmira verschmähte. 1825 schrieb Morlacchi die Oper für Mezzosopran um. Diese zweite Fassung wird bei ROSSINI IN WILDBAD mit Laura Polverelli in der Titelrolle zu hören sein. Polverelli hat sich mit Begeisterung dieser Aufgabe gewidmet und ist von den hohen musikalischen Qualitäten des Werks überzeugt. Neben ihr sind mit Anicio Zorzi Giustiniani als Boemondo und mit Sandra Pastrana als Isolina weitere erstklassige Solisten zu hören. Unterstützt werden sie vom Camerata Bach Chor Posen unter der Leitung von Ania Michalak und den Virtuosi Brunenses unter der Leitung von Karel Mitáš, die musikalische Leitung hat Antonino Fogliani inne.

Rossini in Wildbad

8. Juli 2014

Rossinis Reminiszenz an Beethoven - Musikalische Zitate in "Semiramide"

"Hör dir bitte mal an, was ich zufällig entdeckt habe, das kennst du bestimmt auch", - und dann bekam ich Klaviermusik zu hören, und plötzlich... nur wenige Takte, aber die kamen mir sehr bekannt vor. Eindeutig Rossini! Selbstzitat? Nein, ich hörte eine etwa 1802 komponierte Klaviersonate von Ludwig van Beethoven!

(Die Fundstelle beginnt bei etwa 8:30)

Und so klingt das Zitat in Rossinis Semiramide 
in der Orchestereinleitung zur Arie "Bel raggio lusinghier":

(Die Fundstelle beginnt bei etwa 1:20) 

Rossini komponierte Semiramide 1823. Im Jahr zuvor hatte er sich in Wien zur Aufführung seiner Oper Zelmira aufgehalten. Ob er dort Beethoven tatsächlich besucht hat, ist umstritten. Berichte über ein angeblich sogar relativ ausführliches Gespräch mit dem immer wieder behaupteten Rat, Rossini solle noch viele Barbieres machen, scheinen nicht sehr glaubhaft; im Internet nachzulesen ist z. B. dieser Passus aus dem Buch von Jan Caeyers "Beethoven: Der einsame Revolutionär" (S. 667):

 (zum Vergrößern bitte ins Bild klicken)

Realistischer dürfte sein, was Ferdinand Hiller in seinen Aufzeichnungen "Plaudereien mit Rossini" notiert hat: 
[Rossini:] «Richtig. Welch eine Kraft, welch ein Feuer wohnten in diesem Manne! Welche Schätze enthalten seine Clavier=Sonaten! Ich weiß nicht, ob mir dieselben nicht noch höher stehen, als seine Sinfonien; es ist vielleicht noch mehr Begeisterung darin. - Haben Sie Beethoven gekannt?»
«Ich hatte das Glück, ihn als Knabe noch wenige Wochen vor seinem Tode zu sprechen,» - erwiderte ich.
«Während meines Aufenthaltes in Wien,» erzählte Rossini, «habe ich mich durch den alten Calpani bei ihm vorstellen las­sen; aber bei seiner Taubheit und meiner Unkenntniß der deut­schen Sprache war kein Gespräch möglich. Ich freue mich, ihn wenigstens gesehen zu haben. 
(zitiert nach der Ausgabe in der Schriftenreihe der Deutschen Rossini Gesellschaft, Band 1)


Einen dieser "Schätze" aus Beethovens Klaviersonaten finden wir also in Semiramide wieder. Einfach nur geklaut? Nein, ich glaube, das ist als wirkliche Reminiszenz an den verehrten Meister gemeint. Rossini kannte und verehrte die Werke von Mozart, Haydn und Beethoven, - nicht von ungefähr kommt sein Spitzname "il tedeschino" - der kleine Deutsche.


In Semiramide ist übrigens auch ein überraschendes Wiener Souvenir zu hören: das Volkslied "Freut euch des Lebens", angeblich Metternichs Lieblingslied... Hierüber berichtet Guido Johannes Joerg ausführlich in seinem Beitrag "Zur Verwendung des Volkslieds 'Freut euch des Lebens' in den Werken Gioachino Rossinis" in "Gazzetta - Mitteilungen der Deutschen Rossini Gesellschaft" 1/1992. Ein Auszug hieraus:


In der Introduktion der Ouvertüre wird dieses Thema erst von den Hörnern vorgestellt, die es dann auch - von den Streichern umspielt - weiterführen. Im weiteren Verlauf der Oper wird diesem Hömerthema noch eine entscheidende Bedeutung zuteil, da es ohne nennenswerte Veränderungen an gewichtiger Stelle innerhalb des ersten Finales - welches hier (wie meist in Rossinis Opern) Höhepunkt der Ent- und Verwicklung ist - zitiert wird: in dem Quintett «Giuri ognuno, a' sommi Dei». ... Als meisterhafter Beherrscher der motivisch­thematischen Arbeit fand Rossini immer neue und originelle Möglichkeiten der Ver­wandlung gleichen musikalischen Materials. So veränderte er (indem er die langge­haltenen Notenwerte zu schnell wiederholten Tonrepetitionen und fioriturenhaften Tonumspielungen aufspaltete) auch das Hörnerthema mit kleinen Mitteln, aber großer Wirkung, und benutzte es in dieser Form als (erstes) Hauptthema der Sinfonia. Dieses Thema, das wiederum einen deutlich anderen Charakter als die Vorlage aufweist, er­scheint ebenfalls an gewichtiger Stelle innerhalb der Oper wieder, und zwar in dem Männerchor «Un traditor, con empio ardir» im Finale des zweiten Aufzugs. Dort wurde es aber nicht einfach zitiert, sondern durch den Wechsel des geraden in ein ungerades Metrum neuerlich geschickt verändert. 




Zum Thema Reminiszensen auch der Blog-Beitrag 

7. Juli 2014

Michael Spyres: Hommage an Adolphe Nourrit - Ein ganz besonderes Konzert zur Wiedereröffnung des Königlichen Kurtheaters Wildbad

Rossini in Wildbad - Pressemitteilung

HOMMAGE A ADOLPHE NOURRIT
Arien und Szenen aus dem Paris der 1820er und 30er Jahre
11. Juli 2014, 19.40 Uhr (I. Teil) und 13. Juli 2014, 17 Uhr (II. Teil)
Königliches Kurtheater, Bad Wildbad



Tenor: Michael Spyres
Dirigent: David Parry


Am 11. und 13. Juli widmet sich eine zweiteilige Konzert-Hommage dem legendären Tenor und Rossini-Schüler Adolphe Nourrit. Auf dem Programm stehen moderne Erstaufführungen und großartige Arien, interpretiert von Michael Spyres, der zu den weltweit gefragten Baritenoren zählt.

Er war ein musikalischer Superstar und Liebling der Pariser Gesellschaft: der Tenor Adolphe Nourrit. Mit seiner reifen, klangvollen Stimme und großen Sängerpersönlichkeit stand Nourrit 15 Jahre lang im Mittelpunkt des musikalischen Geschehens in der Seine-Metropole. Für diesen eleganten Sänger mit dem großen Ambitus komponierte Rossini großartige Arien. Michael Spyres kommt mit seiner warmen, perlenden Stimme mit baritonaler Tiefe und leichter Höhe diesem von Rossini besonders geschätzten Tenor vielleicht am nächsten. David Parry, international erfolgreicher und anerkannter Spezialist für die italienische Oper, dirigiert die zwei Abende zu Ehren Nourrits. Das Programm beinhaltet auch zahlreiche Raritäten, die in Bad Wildbad als moderne Erstaufführungen zu sehen sind, unter ihnen Le Philtre (Auber) und Stradella (Niedermeyer). Das Konzert wird für eine CD-Produktion durch den SWR aufgenommen.

Adolphe Nourrit (1802-1839), Sohn des großen französischen Tenores Louis Nourrit, gehörte zwischen 1826 und 1836 zu den großen Stimmen an der Pariser Oper. Sein Debüt absolvierte er bereits mit 19 in Glucks Iphigénie en Aulide . Als Schüler von Rossini interpretierte Nourrit alle Hauptrollen in dessen französischen Opern. Auch weitere Komponisten wie Meyerbeer und Halévy verstanden es, die Begabungen Nourrits am besten auszuschöpfen und schufen Arien für den gefeierten Baritenor. In seiner Rolle als Masaniello in der romantisch- nationalistischen Oper La Muette de Portici von Auber, entflammte er im August 1830 im Publikum den Ruf »vive la liberté« aus. Die nach der Opernaufführung ausgelösten Unruhen gegen die ungeliebte niederländische Herrschaft führten zur belgischen Revolution und schließlich zur Unabhängigkeit Belgiens.

Neben seiner Gesangskariere verfasste Nourrit Librettos, schrieb Szenarien für das Ballett der Pariser Oper, unter anderem für La Sylphide mit Marie Taglioni und arbeitete als Komponist. Während seiner Lehrtätigkeit als Professeur de déclaration pour la tragédie lyrique am Pariser Konservatorium brachte er viele bekannte Sänger und Sängerinnen hervor, unter ihnen auch Marie-Cornelie Falcon, deren Name heute noch in Frankreich für den Stimmtyp des dunklen dramatischen Soprans steht.

Trotz seines großen Erfolgs an der Pariser Oper verblasste sein Ruhm bereits in den späten 30er Jahren – 1937 verabschiedete er sich aus Frankreich und konzentrierte sich auf den italienischen Gesangsstil. Doch der Übergang vom französischen zum italienischen Stil erwies sich für Nourrit als fatal. Zu seinem Debüt in Neapel kam es erst 1839. Als die sängerische Entwicklung über ihn hinweg ging, schied Nourrit, psychisch und physisch angeschlagen, im selben Jahr aus dem Leben.

Das zusammengestellte Programm gewährt einen umfassenden Einblick in die bewegende musikalische Karriere dieses kultivierten Sängers. »Nourrit war ein  großer Künstler, kein Schreihals. Wie froh sind wir, mit Michael Spyres einen Sänger auf die Opernbühnen gebracht zu haben, der diese Noblesse des Tons, diese Leichtigkeit und Eleganz mit Substanz verkörpert!«, so Jochen Schönleber, künstlerischer Leiter und Intendant von ROSSINI IN WILDBAD.

ROSSINI IN WILDBAD ist eine Veranstaltung der Stadt Bad Wildbad mit Unterstützung des Landes Baden-Württemberg und des Landkreises Calw sowie des SWR und Deutschlandradio Kultur. Wir danken der AWG im Landkreis Calw für die Förderung.

6. Juli 2014

Apropos Frauen mit Vollbart - Bärtiges auch auf der Opernbühne


Auf der Opernbühne...

... gibt es Frauen in Männerrollen:

- Von Mozart über die diversen Contraltohelden Rossinis bis zu R. Strauss - 

Bei Hosenrollen sind Bärte allerdings eher selten, - aber hier sogar ein Vollbart: 

Tancredi de Rossini au Théâtre des Champs-Elysées

(L'Oeil et l'Oreille 20. Mai 2014)


.... und es gibt Männer in Frauenrollen...

Aber wenn der Countertenor nun einen Vollbart hat? 
Na und? Stört nicht einmal bei einer Liebesszene... 
selbst erlebt an der Hamburgischen Staatsoper 2000:


Irina, Olga und Mascha - die drei Schwestern in "Tri Sestri" von Peter Eötvös
(Oleg Riabets - David Cordier - Lawrence Zazzo)


..... und dann gibt es sogar eine "Bartfrau" in einer Oper ....


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... das ist aber doch...!  


Nein, ist sie nicht, sondern Natasha Petrinsky als Baba im 
Juni 2014 auf der Bühne des Teatro La Fenice di Venezia,
- ganz offensichtlich inspiriert von Conchita Wurst (re.)
Trailer La Fenice


Auch viele andere Sängerinnen tragen in dieser Rolle Vollbart, 
hier ein besonders aufwendig gestyltes Beispiel: 

Kein Regieeinfall, sondern librettogerecht: 
Baba the Turk 
(Igor Strawinsky - The Rake's Progress, 1951)

Das erinnert natürlich an das traurige Kapitel der Schaubuden auf Jahrmärkten, in denen
 Abnormitäten zur Publikumsgaudi ausgestellt wurden, darunter "Bartfrauen":

ca. 1900

Weitere historische Bartträgerinnen:



Ägypten: Königin Hatschepsut (1473 v. Chr. bis 1458 v. Chr.)


Heilige Kümmernis in der Sakristei der Pfarrkirche von Axams
(Tiroler Tageszeitung  16. Mai 2014)


Wikipedia

Der wissenschaftliche Aspekt: